Speicher, Ram & Storage

OCZ Vertex 2 60 GB SandForce SSD

Erstellt am: 30.09.2010 um 12:30 Uhr von Oliver Opel.

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SSDs gewinnen immer weiter an Bedeutung, und auch wenn große Kapazitäten immer noch mit saftigen Preisen zu Buche schlagen, so setzen sich die schnellen, lautlosen, kühlen und stromsparenden Laufwerke doch auch dank sinkender Preise und auskurierter Kinderkrankheiten immer mehr als Systemlaufwerk für Gaming- und Produktivsysteme durch. Und in der Tat, es gibt derzeit kaum ein Upgrade, das die Produktivität und Performance eines zeitgemäßen Systems ähnlich steigert wie der Einbau einer SSD.

Wir wollen uns heute ein aktuelles Performance-Modell aus dem Hause OCZ ansehen, das mit dem seit einiger Zeit für erschwingliche MLC-SSD's mit SATA2-Schnittstelle schnellsten Controller SandForce SF 1200 ausgestattet ist: Die OCZ Vertex 2 60GB.

 


SSD-Technologie

Die Technik der SSD-Laufwerke basiert auf dem gleichen Prinzip wie die seit längerem bekannten Flash-Speicher, die sogenannten NAND-Speicher, wie sie in USB-Sticks und Speicherkarten oder so genannten EPROMS (Erasable Programmable Read Only Memory) eingesetzt werden. Solche Speicher wurden auch recht früh schon als Steckkarten zur HDD-Emulation angeboten oder fanden in der Windows-Vista-Funktion "ReadyBoost" für Systeme mit kleinem Arbeitsspeicher als Zwischenstufe zwischen schnellem Ram und langsamer HDD Einsatz. Es lag nahe, diese positiven Eigenschaften gezielt als Ersatz für HDD's einzusetzen, da sie in der Lage sind, die auf ihnen gespeicherten Daten anders als RAM ohne Stromzufuhr - also auch beim Ausschalten des PC - zu erhalten. Es gab allerdings zwei große Hürden zu nehmen.

Diese Hürden waren zum einen eine ausreichend große Kapazität zu einem bestimmten Preis und mit einem bestimmten Platzbedarf bereitzustellen und zum anderen eine ausreichend hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Für beide Faktoren spielt die Verwendung von Single Level Cells (SLC), die nur einen Bit pro Speicherzelle speichern können, gegenüber der Verwendung von Multi Level Cells (MLC) eine Rolle.

Multi Level Cells haben als größten Vorteil eine höhere Speicherdichte, die größere Kapazitäten zu einem geringeren Preis und auf kleinerem Raum möglich machen. Diese sind allerdings langsamer in den Schreib- und Leseraten, da die Daten für das Schreiben und Lesen zu Datenpaketen gepackt werden müssen, was den Verwaltungsaufwand erhöht. Außerdem müssen vor allem beim Wiederbeschreiben von Zellen die Daten nicht nur (wie auch bei SLC-Zellen) erst gelöscht werden, sondern zudem überprüft werden, ob sich auf der gelöschten Zelle noch Daten einer anderen Datei befinden, die dann umgeschrieben werden müssen, bevor die Zelle gelöscht und neue Daten geschrieben werden können.

MLC-Zellen machten USB-Sticks in ihrer heutigen Form erst möglich, da große Datenmengen gespeichert werden können. Allerdings ist die Geschwindigkeit meist schlecht, was jedoch keine Rolle spielte, da die Sticks als Langzeitspeicher und nicht als schneller HDD-Ersatz genutzt wurden. Auch die Windows Vista "ReadyBoost"-Funktion führte daher nur zu einem sehr mäßigen Anstieg der Systemperformance. Stärker machte sich bemerkbar, dass mehr Speicher insgesamt verfügbar war, bzw. nur gegenüber der veralteten IDE-Schnittstelle ein geringer Anstieg der Performance geboten werden konnte.

Für den Einsatz in der heutigen Form als SSD musste daher zunächst eine Anpassung an die SATA-Schnittstelle erfolgen, die größere Datentransferraten erst erlaubt. Hierfür wurden neuartige Controller entworfen. Diese Controller übernehmen zum einen die Anpassung der ausgelesenen Daten an die SATA-Spezifikation und organisieren zudem die Lese- und Schreibroutinen auf der Seite des Flash-Speichers. Auch für USB-Sticks sind solche Controller notwendig. Für die Verwendung mit der SATA-Schnittstelle musste das Datenhandling jedoch deutlich beschleunigt und intelligenter strukturiert werden.

Als die ersten Controller entwickelt waren, die annähernd die Performance einer HDD schafften, kamen die ersten SSD's auf den Markt. Diese First-Generation-Controller hatten jedoch einige Mängel, insbesondere bei den Schreiboperationen, wenn zuvor - wie bei MLC-Zellen notwendig - Datenpakete neu organisiert werden mussten, bevor beschriebene Zellen gelöscht und neu beschrieben werden konnten. Zudem hatten sie enorme Schwächen bei zufälligen Zugriffen. Die Praxistauglichkeit dieser ersten SSD's war aus diesen Gründen stark eingeschränkt. Die genannten Probleme führten zu starken Performanceeinbrüchen, nachdem die ersten Daten auf der SSD geschrieben worden waren, mitunter sogar zu sekundenlangem Einfrieren des Betriebssystems, bis der Controller die Daten wieder geordnet hatte.

Microsoft wusste um diese Probleme und implementierte frühzeitig eine Funktion, die bei Controllern, die dieses unterstützen, automatisch in Zeiten, in denen nicht auf die SSD zugegriffen wird, den Controller anweist, ein Teil dieser Neuorganisation bereits durchzuführen und freiwerdende Zellen zu löschen, um ein schnelles Beschreiben beim nächsten Zugriff zu ermöglichen. Diese Funktion wird TRIM genannt. Bei Controllern der ersten Generation war hierfür ein spezielles Tool notwendig, das im Extremfall zur Wiederherstellung der Performance ausgeführt werden musste.

Inzwischen sind diese Kinderkrankheiten weitestgehend beseitigt, die allermeisten Controller beherrschen TRIM und führen nicht mehr zu deutlichem Einfrieren des Systems. Sie unterscheiden sich aber dennoch stark in der Performance, insbesondere wenn es um zufällige Zugriffe auf kleine Dateien geht, wie es bei Systemplatten häufig der Fall ist, oder darum, eine Funktion der SATA-Schnittstelle - das sogenannte Native Command Queue (NCQ) - bestmöglich umzusetzen. Mit einem Programm wie Crystal Disk Info kann man das Featureset leicht überprüfen. Bei der OCZ ist TRIM und NCQ aktiviert:

Bei Native Command Queue geht es darum, gleichzeitige Zugriffe auf der SSD zu ermöglichen und diese Zugriffe so zu ordnen, dass möglichst viele Daten am Stück gelesen oder geschrieben werden können. Diese Faktoren, TRIM-Fähigkeit, NCQ-Fähigkeit und Geschwindigkeit beim zufälligen Zugriff auf kleine Dateien, für den eine hohe Zahl von Operationen pro Sekunde (IOPS - Input/Output Operations Per Second) wichtig ist, machen derzeit die wesentlichen Punkte aus.

Mit dem Testkandidaten - der OCZ Vertex 2 60GB - nehmen wir eine der SSD's unter die Lupe, die in allen diesen Disziplinen derzeit eine Spitzenposition markiert. Wir dürfen gespannt sein, was der Kandidat zu bieten hat.

 


Verpackung und Lieferumfang

Die Verpackung der kleinen 2,5"-SSD ist schmal und dezent gehalten. Beim Öffnen der Verpackung kommt ein edel wirkendes Etui zum Vorschein, bei dessen Aufklappen man als erstes die äußerst nützliche Zugabe sieht, die OCZ dieser SSD beilegt: Ein im OCZ-Design gehaltener 3,5"-Einbaurahmen zur Montage der SSD in Desktop-Systemen. Diese sind notwendig, da die SSD ansonsten mit 2,5" zu schmal für einen normalen HDD-Schacht ist. Zwar sind SSD's lageunabhängig und geben keine Vibrationen ab, jedoch findet man Gefallen daran, das Laufwerk ordentlich einbauen zu können.

Neben dieser Beigabe und dazugehörigen Schrauben finden sich noch ein Sticker, der auf die erhöhte Leistung gegenüber einer HDD aufmerksam macht, sowie eine Kurzanleitung und ein paar Schrauben. Mehr benötigt man für einen Einbau auch nicht. Dass keine weiteren Kabel und Adapter beiliegen kommt der Größe der Verpackung zugute und ist verschmerzbar, da heutige Netzteile über genügend SATA-Anschlüsse verfügen. Die weiterhin benötigten SATA-Kabel sollten dem Mainboard beiliegen.

 


Ein Blick hinter die Kulissen

Uns interessiert bei einem solchen Produkt natürlich nicht nur das Äußere, sondern vielmehr geht es natürlich um die inneren Qualitäten. Wir konnten es uns daher nicht verkneifen, das Garantiesiegel zu zerstören und das Innere der OCZ freizulegen. Zum Vorschein kommt die Platine mit dem SandForce SF 1200 Controller und den Flash-Speicherchips von Intel. Das Innenleben ist aufgrund der Kapazität unseres 60GB-Testkandidaten übersichtlich. Für die gebotene Kapazität werden 8 Flashbausteine eingesetzt. Neben dem SATA-Daten und Stromanschluss gibt es keine weiteren Anschlüsse. Ein extra Cache-Baustein ist zunächst nicht erkennbar, mehr hierzu beim Blick auf die Spezifikationen auf der nächsten Seite. Ein Mini-USB-Anschluss wie bei einigen anderen SSD's ist ebenfalls auch unter der Haube nicht vorhanden, obwohl sich die erforderlichen Lötstellen auf der Platine befinden. Wir sind jedoch der Meinung, dass ein USB-Anschluss für die Leistung der SSD unangemessen wäre. Als mobilen Datenspeicher sollte man zu günstigeren und weniger leistungsstarken Modellen greifen. Diese SSD muss über eine schnelle Schnittstelle angebunden werden, für die sich USB nicht qualifiziert. Wir stehen hier bei der Produktkonzeption ganz hinter OCZ, dass die SSD als Systemplatte für den Festeinbau ohne zusätzliche USB-Schnittstelle konzipiert ist.

An Anschlüssen sind demnach je nur ein SATA-Strom- und Datenanschluss vorhanden.

 


Einbau und Inbetriebnahme

Der Einbau geht leicht von der Hand. Es passt alles zusammen und der mitgelieferte Einbaurahmen lässt sich ohne Probleme in einen 3,5"-Schacht installieren.

Die SSD wird beim Hochfahren sofort erkannt. Bei der erstmaligen Inbetriebnahme muss auf ein korrektes Alignment beim Formatieren geachtet werden, um den von herkömmlichen HDD's abweichenden Blockgrößen Rechnung zu tragen, die einheitlich 1024 KB groß sind, im Gegensatz zu den Sektoren herkömmlicher HDD's.

Dies wird von der Formatierungsoption in Windows Vista / Windows 7 selbstständig beachtet. User früherer Windowsversionen, die dann allerdings auch auf die von der Vertex 2 unterstützte TRIM-Funktion verzichten müssen, können hierfür das auf der OCZ-Seite bereitgestellte Tool "OCZ SSD Toolbox" verwenden.

Es empfiehlt sich bei der Verwendung einer SSD als Systemlaufwerk eine direkte Neuinstallation von Windows Vista / Windows 7 auf der SSD. Windows richtet in diesem Fall alles korrekt ein, inklusive der 100MB großen Systempartition. Hier treten keine Schwierigkeiten auf. Komplizierter wird es allerdings, wenn eine bestehende Windows-Installation per Partitionsmanager-Programmen auf die SSD kopiert werden soll. Hier ist darauf zu achten, dass man die Partitionen zunächst von Hand erstellt, am besten unter Windows, diese unter Windows formatiert und dann nur die Daten kopiert. Alternativ kann man ein Partitionierungsprogramm verwenden, wenn dieses die Möglichkeit einer festen Sektorengröße anbietet. In diesem Fall sorgt die Festlegung auf 1024 KB für ein korrektes Alignment. In jedem Fall muss dieses jedoch für die ungetrübte Performance mit einem geeigneten Programm (beispielsweise AS SSD) überprüft werden. Wir haben diesen Benchmark ebenfalls zum Testen verwendet und werden später zeigen, wie der Alignment-Test durchgeführt wird.


Technische Daten und Spezifikation:

 

Kapazität 60 GB
Nativer TRIM Support Ja
Firmware Max. IOPS
Zugriffszeit 0.1 s
Gehäuse 2.5"
Abmaße 99.5 x 69.63 x 9.3mm
Gewicht 77 g
Betriebstemperatur 0 bis +70°C
Lagertemperatur -45 bis +85°C
Power consumption idle 0.5 W
Power consumption in operation 2 W
Shock resistance 1500 G
RAID support Ja
Desktop Adapter included 3.5"
Kompatibilität Win XP, Vista, 7, Mac OS X, Linux
MTBF 2 Mio. h
Garantie 3 Jahre
Max. Read / Write 285 MB/s Read,  275 MB/s Write
Sustained Write 200 MB/s
Max. IOPS (4k, aligned) 50.000 IOPS

 

Bereits in den Spezifikationen spiegeln sich einige Vorteile der SSD-Technologie im Allgemeinen und insbesondere der OCZ Vertex 2 wieder. So stechen kleine Abmessungen und geringes Gewicht, was vor allem wie auch der niedrige Energieverbrauch und die hohe Schockresistenz für die mobile Anwendung relevant ist, und der weite Temperaturbereich sowie die geringe Zugriffszeit aufgrund des Fehlens mechanischer Teile ins Auge. Für den SandForce 1200-Controller sind die hohen Schreib- und Leseraten typisch, und die Vertex 2 mit ihrer speziellen "MAX IOPS"-Firmware verspricht, besonders im Bereich schneller, zufälliger Zugriffe auf kleine Dateien (wie es beim Starten oder herunterfahren von Betriebssystemen und Programmen von Vorteil ist) einen Vorsprung verbuchen zu können.

Auf einige Features wie die TRIM-Unterstützung und den beiliegenden Adapter haben wir bereits hingewiesen; nicht aufgeführt ist die NCQ-Unterstützung, die zwar für die SATA-Schnittstelle im AHCI-Modus zur Spezifikation gehört, jedoch bei Weitem nicht von allen Controllern gleich gut umgesetzt werden kann. Die angegebenen max. IOPS von 50.000 IOPS werden jedoch (auch) durch NCQ erreicht, hierin spiegelt sich die hervorragende Umsetzung in den technischen Daten wieder. Ebenfalls nicht angegeben ist die Größe des Cache, die bei HDD's bekanntlich eine große Rolle spielt. Bei SSD's ist sie nur als "Arbeitsspeicher" für den Controller relevant und hat daher keinen direkten Einfluß auf die Performance, wenngleich eine korrekte Abstimmung auf den Controller für das Erreichen einer guten Performance notwendig ist. Dieser Cache ist beim SandForce-Controller im Gegensatz zu anderen Lösungen bereits integriert. Die Performance beweist, dass dies zumindest gut gelungen ist, wenn nicht sogar extra Vorteile durch eine direktere Kommunikation erreicht werden.

Zuletzt noch zu Erwähnen ist die Garantie von 3 Jahren und die hohe MTBF (Mean Time Between Failure) von 2 Mio. Stunden. Dies passt auf den ersten Blick nicht ganz zusammen: Demnach fällt eine Vertex 2 erst nach durchschnittlich ca. 228 Jahren aus. Bei SSD's ist aber zu beachten, dass die NAND-Chips nur eine bestimmte Zahl von Schreib- und Lesezugriffen aufweisen und folglich davon die tatsächliche Zeit bis zu einem Ausfall von der Nutzung abhängt. Die 228 Jahre gelten daher wohl nur bei sehr geringer Nutzung bzw. gar keiner echten Nutzung, in der Realität wird sich eine SSD in etwa in der Größenordnung von einigen Jahren halten und ist damit mit HDD's vergleichbar, die ebenfalls einem Verschleiß unterliegen. Grundsätzlich jedoch haben SSD's das Potential zu höherer Haltbarkeit und werden derzeit laufend in dieser Richtung verbessert, wozu auch die Controller durch intelligente Schreib- und Leseoperationen beitragen können. In jedem Fall muss ein frühzeitiger Ausfall nicht befürchtet werden, und da sich SSD's derzeit ohnehin nicht als Massenspeicher sondern eher als Performance-Systemlaufwerk eignen, ist ein (wie auch bei jeder HDD vorhandenes) Restrisiko eines frühzeitigen Ablebens verkraftbar. Wichtige Daten sollten ohnehin generell regelmäßig gesichert werden.

Die OCZ kann hier zusätzlich mit einem Feature aufwarten, das von SandForce unter dem Namen DuraClass Technologie vermarktet wird. Diese Technologie soll die Haltbarkeit durch intelligenteres Datenhandling weiter erhöhen. Über die genaue Wirkungsweise schweigt sich SandForce allerdings aus.


Testsystem

Die Tests wurden auf einer aktuellen AMD-Plattform durchgeführt. Das Testsystem ist wie folgt ausgestattet und konfiguriert:

  • Phenom II X6 1055T @ 3,5 GHz / 3,8 GHz Turbo
  • MSI 785GM-E65, AMD 785G Chipset
  • 2x 2GB Crucial Value Ram @ 1466 CL 7-7-7-20
  • ATI Radeon 5870
  • Corsair HX750W
  • Windows 7 Business x64

Die Vertex 2 wurde wie im Abschnitt Inbetriebnahme beschrieben vorbereitet und jeweils das korrekte Alignment überprüft.

 

Testmethodik

Zunächst haben wir die Performance in der praktischen Nutzung untersucht. Hierbei wurden gemessen:

  • Windows Startup (Kaltstart -> Desktop und BIOS-Post -> Desktop)
  • Windows Shutdown
  • Adobe Photoshop CS Startup
  • Sigmaplot 11 Startup
  • Windows Performance Index
  • PCMark Vantage

Die Tests wurden jeweils drei Mal durchgeführt, um Schwankungen mit zu erfassen. Dargestellt ist der arithmethische Mittelwert. Weiterhin wurden Tests jeweils mit den folgenden Benchmarks durchgeführt:

  • AS SSD
  • Crystal Disk Mark
  • Atto
  • IoMeter

Einige dieser Tests haben wir in verschiedenen Konfigurationen durchgeführt, um Unterschiede zwischen der Verwendung als Systemlaufwerk mit ca. 50% Füllung, völlig ungenutztem Neu-Laufwerk und nach einer vollständigen Beschreibung und Leerung zu messen. Weiterhin wurden einige Tests wie IoMeter in mehreren Einstellungen durchgeführt, um die Vorteile des SandForce-Controllers und der Vertex 2-max. IOPS-Firmware genauer analysieren zu können.

Als Vergleich stand uns eine Samsung PB22-J SSD sowie eine WD EcoGreen 1,5TB (WD 15EARS) zur Verfügung, wobei die EcoGreen nur in einigen Tests genutzt wurde. Die Samsung SSD haben wir nur mit 50%-Füllung mit einbezogen.

Wir werden zunächst einen Blick auf den Crystal Disk Mark, AS SSD und Atto für eine erste Einschätzung werfen, uns dann den Praxistests widmen und später anhand der detaillierten Tests mittels IoMeter die Ergebnisse analysieren und diskutieren.


Praxistest: Synthetische Benchmarks

Zunächst haben wir die Performance mit den Benchmarks Crystal Disk Mark, AS SSD und Atto gemessen und die Vertex 2 mit einer herkömmlichen HDD sowie unserer Samsung PB22-J SSD verglichen. Zum Test der maximalen Read/Write Performance bei den verschiedenen Paketgrößen nutzen wir den bewährten Atto-Benchmark. Hier erreicht die OCZ Vertex 2 die in der Spezifikation angegebenen Lese- und Schreibraten von 285 MB/s Read und 275 MB/s Write. Die Samsung PB22-J und die WD EcoGreen liegen darunter (die HDD zum Teil deutlich), jedoch liegen die einzelnen Laufwerke nicht um Größenordnungen auseinander.

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Die OCZ Vertex 2 ist jedoch mit einigem Abstand die schnellste der Platten im Atto-Read-Test. Dasselbe gilt für den Write-Benchmark, bei dem sich die OCZ, insbesondere bei kleinen Blockgrößen, noch ein wenig mehr absetzen kann.

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Mit dem AS-SSD-Benchmark lässt sich das korrekte Alignment leicht überprüfen. Das kleine Programm testet dies beim Start automatisch, und zeigt ein korrektes Alignment durch eine grüne Anzeige der Blockgröße an. Bei nicht korrektem Alignment ist diese Anzeige rot.

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Deutlich heben sich beide SSD's jedoch von der HDD in den AS SSD und dem Crystal Disk Mark Benchmarks ab. Dabei zeigt der Crystal Disk Mark die maximalen, und der AS SSD Benchmark die gemittelten Werte, weshalb der AS SSD-Benchmark etwas niedriger von den Werten her ausfällt. Bei beiden Benchmarks zeigt sich jedoch das gleiche Bild: Insbesondere bei zufälligen Zugriffen, kleinen Blöcken, dem gleichzeitigen Zugriff und bei der Zugriffszeit ist die herkömmliche HDD chancenlos, obgleich die sequenziellen Raten dies nicht von vornherein erkennen lassen:

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Dies gilt ebenso für den Vergleich zwischen der OCZ Vertex 2 und unserer Vergleichs-SSD, der Samsung PB22-J. Während die Samsung bei den sequenziellen Raten im Crystal Disk Mark sogar leicht vor der OCZ liegt, ist sie bei den zufälligen Zugriffen chancenlos. Insbesondere beim gleichzeitigen Zugriff auf die Daten, wobei bei der OCZ Vertex 2 durch die hervorragend implementierte NCQ-Nutzung Lese- und Schreibraten im Bereich der sequenziellen Raten erreicht werden, zeigt sich der Vorteil des SandForce-Controllers. Dies ist interessant; spielen zufällige, gleichzeitige Zugriffe bei der tagtäglichen Windows-Nutzung doch eine herausragende Rolle, wenn viele Dienste gleichzeitig gestartet, geschlossen oder genutzt werden. Hier zeigt sich bereits das Vermögen der OCZ Vertex 2, aufgrund des leistungsfähigen Controllers besonders viele Operationen koordinieren und durchführen zu können.

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Im Kopierbenchmark zeigt sich der Unterschied zwischen der Vertex und der Samsung SSD in der Praxis. Während die Samsung bei einem wenig fragmentierten ISO-File, bei dem fast die vollständige Sequential-Performance genutzt werden kann, vergleichsweise nah an die OCZ herankommt, ist sie beim Kopieren mehrerer kleiner Dateien deutlich langsamer:

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Nachdem sich die Erwartungen an die OCZ Vertex 2 demnach zunächst im Test mit der fabrikneuen SSD bestätigt haben, wollen wir die Performance bei ca. 50% Füllung sowie nach einer vollständigen Füllung und anschließender Leerung anschauen. Hier zeigt sich, ob die OCZ in der Praxis deutlich an Performance verliert.

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Erwartungsgemäß büßt auch die OCZ einen Teil ihrer Performance, zumindestens bei der Schreibleistung, ein, nachdem sie längere Zeit im Gebrauch ist. Dies ist aber nur in den Benchmarks zu erkennen. Die geringe prozentuale Abnahme wirkt sich nicht auf die tatsächlich erhaltene Geschwindigkeit in der praktischen Nutzung aus. Auch die TRIM-Implementierung arbeitet korrekt. Wir brauchen vor Performanceeinbrüchen also keine Angst zu haben.


Praxistest: Programmstarts und Gesamtperformance

Nachdem wir uns versichert haben, dass die OCZ die in den Spezifikationen gegebenen Versprechungen hält, wollen wir uns den tatsächlichen Performancevorsprung gegenüber der Samsung PB22-J, die vergleichbare Lese- und Schreibraten, aber einen bei zufälligen Zugriffen deutlich unterlegenen Controller besitzt, ansehen. Die WD EcoGreen HDD haben wir hier nicht weiter beachtet, da diese deutlich hinter den beiden SSD's liegt. Egal welche SSD eingesetzt wird, heutige SSD's steigern die Performance gegenüber einer HDD beträchtlich.

Der Windows-Start und zügige Programmstarts sind Faktoren, bei denen die Vorzüge der SSD-Technologie besonders deutlich werden und die die Produktivität enorm steigern. Demgegenüber fallen die Steigerungen beispielsweise bei der Gaming-Performance weniger ins Gewicht, da hier die Daten zwar auch schneller geladen werden, meistens während der Bearbeitung jedoch im Arbeitsspeicher bereitgehalten werden und keine Laufwerksaktivität mehr stattfindet. Dies gilt allerdings nicht für Games mit flüssigen Levelübergängen, hier können Stotterer oder Hänger deutlich vermieden werden. Dies lässt sich jedoch nur schwer mit Benchmarks reproduzierbar erfassen. Unsere Praxistests beschränken sich daher auf Produktivprogramme. Alle weiteren Faktoren sollen mit dem Windows-internen HDD-Leistungsindex und dem PCMark Vantage-Systembenchmark erfasst werden.

Zunächst testeten wir den Windows Start nach einem Kaltstart, also die Zeit die das System insgesamt zum Hochfahren vom Drücken des Power-Knopfes bis zur Betriebsbereitschaft benötigt. Hierbei kommt es besonders auf die Geschwindigkeit paralleler und zufälliger Zugriffe an.

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Die OCZ hat Windows wie zu erwarten ein paar Sekunden früher betriebsbereit gestartet. Wir wollen uns anschauen, wieviel Zeit tatsächlich nach dem BIOS-POST eingespart wird.

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Wir sehen hier, dass die OCZ Vertex Windows auf unserem Testsystem ca. 2 Sekunden schneller lädt als die Samsung PB22-J. Das sind zwar nur ca. 8% Steigerung, allerdings sind diese deutlich durch kürzere Wartezeiten beim Anmeldebildschirm und beim Aufbauen des Desktops spürbar, die nahezu ganz fehlen. Man muss beachten, dass erst bei diesen Vorgängen der AHCI-Treiber geladen ist und erst in der letzten Phase des Windows-Startup daher der Vorteil, bspw. durch NCQ, gegenüber der Samsung PB22-J ausgespielt werden. Deutlich heben sich jedoch beide SSD's von einer HDD ab, die deutlich mehr Zeit benötigt (hier nicht dargestellt).

Schauen wir und nun die Geschwindigkeit beim Starten von Microsoft Word an.

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Die Zahlen machen es deutlich - Word startet in Sekundenbruchteilen. Wir hatten Mühe, die Zeit korrekt zu erfassen. Trotzdem zeigt sich im Mittel ein Vorsprung für die OCZ Vertex 2.

Mit Photoshop wollen wir als nächstes eine weitere weit verbreitete Anwendung starten, die deutlich mehr Routinen und Programmteile beim Starten lädt und auf mit einer herkömmlichen HDD ausgestatteten Systemen hierführ schon einmal ein paar Sekunden benötigen kann.

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Auch Photoshop startet auf beiden SSD's im Vergleich sehr schnell. Die OCZ Vertex 2 zeigt hier jedoch eine deutlich bessere Performance als die Samsung PB22-J und startet ca. 40% schneller.

Ein weiterer Test mit einer anspruchsvollen Spezialanwendung, dem wissenschaftlichen Visualisierungs- und Statistikprogramm SigmaPlot 11, zeigt ebenfalls einen Vorsprung für die OCZ Vertex 2. Jedoch startet auch dieses Programm derart schnell, dass ein Unterschied in der Praxis, im Gegensatz zu Photoshop und dem Windows-Startup kaum wahrnehmbar ist.

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Ebenfalls von Bedeutung ist die Geschwindigkeit des Windows-Shutdowns, kann sich dieser doch zuweilen nervend in die Länge ziehen. Wir testeten unter Verwendung der beiden Platten den Shutdown direkt nach abgeschlossenem Startup.

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Auch hier zeigt sich die OCZ wie in durchgehend allen Tests schneller. Allerdings geht der Shutdown wiederum bei beiden SSD's derart zügig, das ein Unterschied nicht wirklich wahrnehmbar ist, bzw. der Unterschied zur HDD im Gegensatz zu den Unterschieden zwischen den beiden SSD's überdeutlich ist.

Insgesamt lässt sich also sagen, dass beide SSD's die gefühlte Performance deutlich wahrnehmbar steigern. Die Produktivität steigt enorm, Wartezeiten werden auf ein nie erlebtes Minimum reduziert bzw. fehlen subjektiv ganz, insbesondere in Verbindung mit einem starken Prozessor.

Jetzt wollten wir wissen, wie Windows selbst die Leistung der SSD's für seine Zwecke bewertet, und ließen die Systemperformance durch den Windows-Leistungsindex überprüfen. Hierbei zeigte sich die Laufwerksperformance erstmals nicht mehr limitierend und wurde durch die Arbeitsspeicher-Performance unseres Testsystems in der Windows-Bewertung erstmals unterboten. Wir zeigen die beiden SSD's im Vergleich.

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Auch aus diesem Test geht die OCZ Vertex als deutlicher Sieger hervor. Wir lassen uns dies durch den Systembenchmark PCMark Vantage bestätigen und kommen auf ein erstaunliches Ergebnis:

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Nur durch den Austausch der SSD bekommen wir eine deutliche Steigerung der Gesamtsystemperformance um knapp 800 Punkte, was ca. 6% entspricht und im Gesamtsystembenchmark eine deutliche Steigerung darstellt, da alle weiteren Daten wie Prozessortakt, Speichergeschwindigkeit, Grafikkarte identisch waren. Ein Vergleich mit ähnlichen Systemen im Futuremark ORB zeigt uns hiermit aus dem Stand auf dem zweiten Platz für unseren verwendeten Prozessor, ohne das System in irgendeiner Weise zum Benchen optimiert zu haben. Dies veranlasste uns dazu, zu testen, ob wir so ausgestattet durch ein bisschen Overclocking nicht die Bestmarke erreichen könnten, weshalb wir Prozessor und RAM per Basistaktänderung ein wenig anhoben. Und voilá, wir konnten uns sogleich mit der prozessorspezifischen Bestmarke schmücken.

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Für uns kein Zweifel, die OCZ Vertex 2 bietet eine sagenhafte Performance.


Praxistest: IOPS (IoMeter)

Im Folgenden werden wir nun weiter hinter die Kulissen der OCZ Vertex 2 schauen und die Ergebnisse weiter diskutieren.

Hierzu nutzen wir den IoMeter-Benchmark von Intel, ein Tool, mit dem man nicht nur Übertragungsraten, sondern auch die IOPS (die ausgeführten Operationen pro Sekunde) analysieren kann.

Im Allgemeinen gilt: Je kleiner die Paketgröße, also das am Stück gelesene oder geschriebene Datenpaket, desto geringer ist die Lese- und Schreibrate, da verhältnismäßig oft zugegriffen werden muss, aber desto höher ist die pro Sekunde ausgeführte Zahl an Operationen. Schauen wir uns die Ergebnisse im Einzelnen an. Dargestellt sind nicht die maximalen IOPS, sondern die durchschnittlichen IOPS bei 32Q Anfragetiefe.

Bei den sequentiellen Zugriffen unterscheiden sich die beiden SSD's kaum. Die OCZ Vertex 2 liegt zwar immer vor der Samsung SSD, jedoch zeigen beide ein ähnliches Bild, was die Zahl der IOPS bei den verschiedenen Paketgrößen angeht.

Dieses Bild wandelt sich stark, wenn es um zufällige Zugriffe geht: Hier fällt die Samsung SSD enorm ab, während die OCZ Vertex 2 nahezu auf gleichem Niveau verbleibt. Dies sahen wir auch schon bei den AS SSD- und Crystal Disk Mark-Benchmarks. Und hierin ist der deutliche Unterschied zwischen den Technologien zu finden. Die OCZ zeigt sich unabhängig von der Art der Anfrage in der Lage, diese mit gleichbleibender Performance zu bedienen. Andere Controller als der SandForce SF1200 haben hiermit noch deutliche Probleme.

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Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten wird dabei noch extremer, wenn es an das Schreiben von Daten geht. Hier liegen wirklich Welten zwischen der Samsung und der OCZ Vertex 2:

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Die OCZ ist daher deutlich unabhängiger von einer betriebssystem- bzw. anwendungsseitigen Optimierung der Zugriffe. Es sollte allerdings AHCI im BIOS aktiviert sein, um die NCQ-Funktion, von der dieses Verhalten entscheidend mit beeinflusst wird, nutzen zu können. Wenn der Controller nicht in der Lage ist, die Lese- und Schreibanfragen entsprechend zu sammeln und zu ordnen, wie es NCQ erlaubt, kann der Controller seinen Vorteil nicht ausspielen.

 


Zusammenfassung

Mit der aktuellen Controller-Generation sind die Kinderkrankheiten der SSD-Technologie endgültig besiegt. Abnehmende Performance, Stottern und Einfrieren des Betriebssystems und dergleichen gehören der Vergangenheit an. Gleichzeitig profitiert jedes System - sei es mobil oder stationär - enorm von einer SSD als Systemlaufwerk, da diese Technologie endlich den Flaschenhals der Massenspeicherlaufwerke beseitigt. Zudem werden weitere entscheidende Vorteile geboten wie geringer Energieverbrauch, geringe Wärmeentwicklung, hohe Temperaturtoleranz und absolut geräuschfreier Betrieb. Insbesondere das Setup in Kombination mit einer großvolumigen, modernen und langsamdrehenden, ebenfalls stromsparenden und leisen HDD als Archivierungslaufwerk (mobil ggf. als externe USB oder eSata-Festplatte) und einer schnellen SSD als Arbeitslaufwerk ermöglicht es, diese Vorteile voll auszunutzen. Es werden keine RAID 0-Setups oder hochdrehende HDD's mehr für die Performance benötigt, was sowohl Geräuschpegel als auch Strombedarf für High-End-Systeme extrem positiv beeinflusst, bei deutlich besserer Performance sogar im Vergleich zu den besten ansonsten verfügbaren Lösungen. Auch bezüglich der Haltbarkeit der SSD's sind bedeutende Verbesserungen erreicht worden, nicht zuletzt durch die auch bei der OCZ Vertex 2 verwendete DuraClass Technologie des SandForce Controllers.

In diesem Kontext ist auch der im Vergleich zur Kapazität recht hohe Preis der SSD-Technologie verkraftbar, handelt es sich doch sprichwörtlich um einen Paradigmenwechsel im Laufwerksbereich. Die erschwinglichen Laufwerke mit 60GB bzw. 64GB Kapazität genügen für die Verwendung als Systemlaufwerk. Mails und Spiele sowie eigene Dateien sollte man jedoch nicht auf diesen Platten speichern. Hierfür empfehlen sich die jeweils eine Nummer größeren 120 bzw. 128GB Laufwerke für noch kompromisslosere Performance zu allerdings in der Regel weniger konkurrenzfähigen Preisen. Im Falle der OCZ Vertex 2 120GB sind allerdings auch dann anfallenden 210-230€ im Vergleich und insbesondere angesichts der Performance als sehr günstig anzusehen.

Mit der OCZ Vertex 2 hatten wir einen Klassenprimus zum Test, der in allen Disziplinen uneingeschränkt als Sieger aus den einzelnen Tests hervorgeht. Und das ohne das Auftauchen von Problemen in irgendeiner Form.



Bewertung und Fazit

Die OCZ Vertex 2 ist die derzeit insgesamt schnellste SATA2-MLC-SSD auf dem Markt. Erstaunlicherweise spiegelt sich dies im Preis nicht wieder. Mit derzeit 110-120 € darf die OCZ als sehr erschwinglich bezeichnet werden und verdient unsere ausnahmslose Kaufempfehlung als bestes derzeit verfügbare Upgrade für Produktiv- und Enthusiast-Systeme. Auch die etwas geringere Kapazität von nur 60GB im Gegensatz zu 64GB der Konkurrenz fällt nicht ins Gewicht und ist für den Einsatz als Arbeits- und Systemlaufwerk ausreichend. Auch wenn Dateien und Mails auf diesem Laufwerk nicht gespeichert werden sollten, und maximal das aktuelle Lieblingsgame, profitiert die Systemperformance extrem durch die beschleunigten Programmstarts, ein insgesamt deutlich beschleunigtes Windows und die verkürzten Zeiten für den Windows-Startup und Shutdown.

Wir vergeben unseren Gold-Award für dieses uneingeschränkt empfehlenswerte, komplette und keinerlei Schwächen aufweisende Produkt.

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Zusätzlich darf sich die OCZ mit ECO-Awards schmücken, da sie einen sehr geringen Stromverbrauch aufweist.

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