Ozone Strike Pro

Erstellt am: 22.12.2014 um 11:15 Uhr von Marco Schaarschmidt.

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Praxistest

Der Praxistest der Ozone Strike Pro untergliedert sich in zwei Abschnitte. Im technischen Teil sollen Ghosting- und Rollover-Funktionen untersucht werden. Für letztgenanntes verwenden wir das Tool "Aqua'S KeyTest". Im zweiten, funktionsorientierten Teil ("Alltagserfahrungen") werden die Beleuchtungs- und Makrofunktionen, der Gaming-Modus sowie die mitgelieferte Software getestet, bewertet und zusätzlich ein Eindruck über die Handhabung der Tastatur beim Anfertigen von Texten und Spielen vermittelt.

N-Key-Rollover & Ghosting

N-Key-Rollover (NKRO) ist eine Eigenschaft bei Tastaturen, die gerade für Kunden im Gaming-Bereich einen ausschlaggebenden Faktor darstellt, wenn es um den Kauf eines neuen Spielebretts geht. Key-Rollover ist ein Maßangabe dafür, wie viele Tasten gleichzeitig gedrückt und auch entsprechend vom Controller der Tastatur registriert werden. Das N beschreibt dabei die Anzahl der gleichzeitig registrierten Tasten und wird auch als Synonym benutzt, wenn bei einer Tastatur alle Tasten gleichzeitig gedrückt und korrekt registriert werden können.

In der Vergangenheit gab es unzählige Diskussion über NKRO bei USB-Tastaturen. Noch heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass ein vollständiges NKRO bei der Verwendung des USB-Anschlusses nicht möglich ist. Die ist jedoch ein Irrtum. Im folgenden Abschnitt soll das Thema NKRO in zusammenfassender Form entmystifiziert werden.

Ob eine Tastatur NKRO-fähig ist oder nicht, ist von zwei Faktoren abhängig: Dem HID-Profil und dem USB-Modus. Human Interface Device (hier: USB-HID) beschreibt dabei eine Geräteklasse des USB-Standards, die zur direkten Kommunikation mit dem PC genutzt werden (Maus, Tastatur, Joystick). Die USB-HID-Definition für die Geräteklasse der Tastaturen sieht eine vollständige Unterstützung von NKRO bereits vor, die tatsächliche Umsetzung ist jedoch vom verwendeten HID-Profil abhängig. Das als "USB Boot Keyboard Profile" oder auch "Compatibility Profile" bezeichnete Profil wird von allen vorhandenen Systemen und dem BIOS implementiert und dient vor allem dazu, eine USB-Tastatur in Abwesenheit von einem USB-fähigen Betriebssystem ohne großen Aufwand zu unterstützen. Dieses Profil beschreibt die Struktur des Reports eines Gerätes als ein 8-Byte-Feld, bestehend aus einen Byte für bis zu vier Hilfstasten (Shift, Alt,...), ein reserviertes Byte und sechs Byte, die jeweils einen Tastencode beinhalten: 6KRO war geboren. Aufgrund der Einfachheit ist dieses Profil zu einem de-facto Standard geworden, wodurch sich hartnäckig das Gerücht hält, dass USB-Tastaturen auf 6KRO limitiert sind. Eine Möglichkeit diese Limitierung zu umgehen, ist die Simulation mehrerer virtueller Tastaturen durch den Tastatur-Controller. Beim Drücken von mehr als sechs Tasten werden diese auf weitere virtuelle Tastaturen verteilt, sobald eine einzelne Tastatur die Anzahl von sechs Tasten überschreitet. Dadurch erreichen Hersteller bei ihren Produkten ein Vielfaches des Limits, typischerweise 12KRO, 18KRO oder 24KRO. Eine andere, in der Entwicklung meist komplexe und teurere Möglichkeit ist die Verwendung eines anderen/eigenen HID-Profils innerhalb des Betriebssystems. Ob eine Tastatur ihre NKRO-Fähigkeit auch vollständig umsetzen kann, ist auch vom unterstützen USB-Modus abhängig. Dabei spielt es keine Rolle, ob der USB1.1 oder USB2.0-Standard genutzt wird, sondern vielmehr, mit welcher Übertragungsgeschwindigkeit (Low-, Full-, High-Speed) die Tastatur angesteuert wird. Um den aktuellen Zustand einer Taste der Tastatur zu übermitteln, ist ein einzelnes Bit ausreichend (1=gedrückt, 0=nicht gedrückt). Für einen kompletten Statusbericht einer 104-Tasten-Tastatur sind folglich 13 Byte (exkl. Protokoll-Overhead) ausreichend. Im Low-Speed-Modus können jedoch maximal nur 8 Byte große Datenpakete übertragen werden, weshalb hier mehrere Statusberichte benötigt werden. Da dies jedoch nur alle 10 ms möglich ist, kommt es zu unerwünscht hohen Verzögerungen (neben der Erkennung der Tasten in Clustern). Der Full-Speed-Modus entledigt sich dieser Laster. Jedes Datenpaket darf eine maximale Größe von 64 Byte erreichen und jede Millisekunde versendet werden.

Die einstellbaren Werte der Abtastrate lassen bereits vermuten, was unsere Analyse der USB-Konfiguration der Tastatur belegt. Im vorliegenden Fall wird von der Tastatur USB2.0 im Full-Speed-Modus verwendet, wodurch NKRO bestmöglich unterstützt wird. Eine NKRO-Fähigkeit wurde im Anschluss mit dem Programm "Aqua Key Test" überprüft. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen deutlich, dass nicht nur der WASD-Bereich, sondern auch alle von uns gedrückten Tasten sauber erkannt werden.

Für die Umsetzung des NKRO nutzt Ozone die "teuerste" Variante, folglich die Nutzung eines eigenen HID-Profils. Normalerweise würden wir den Praxistest an dieser Stelle mit einer Ghosting-Überprüfung fortzusetzen. Allgemein beschreibt Ghosting ein Problem, bei dem einige Tastenkombinationen nicht mehr funktionieren, wenn drei oder vier, sich nebeneinander befindliche Tasten gleichzeitig ausgelöst werden. Werden beispielsweise die Tasten "S" und "D" gedrückt und kommt anschließend die Taste "E" hinzu, kann dies ein zusätzliches Auslösen des Buchstabens "W" bewirken. Einige Tastaturcontroller erkennen solche Kombinationen und unterdrücken alle Tasten, die Ghosting verursachen können, wodurch solche Tastaturen ein 2KRO aufweisen. Dem gewiften Leser wird sicherlich aufgefallen sein, dass Ghosting und NKRO disjunkt sind, sich also gegenseitig ausschließen. Dies ist natürlich auch beim Strike Pro der Fall.

Alltagserfahrungen

Das Anschlusskabel kann den Anwender vor zweierlei Probleme stellen. Durch die geringe Länge des Kabels wird der Radius, in der die Tastatur platziert werden kann, relativ stark eingeschränkt. Vor allem aber dann, wenn das Kabel nicht quer über den Schreibtisch laufen soll, sondern gut versteckt. Die Länge der Einzelstränge kann zudem zum Problem werden, wenn größere Gehäuse mit zusätzlicher Soundkarte eingesetzt werden. Hier kann es durchaus passieren, dass die Summe der Längen der Einzelstränge nicht mehr ausreicht, um die einzelnen Ports zu erreichen; außerdem führt dies ebenfalls zu Einbußen beim Platzierungsradius.

Ob die integrierte Handballenauflage Gefallen findet, liegt sicherlich an den persönlichen Präferenzen und der eigenen Handgröße. Fakt ist, dass die Handballenauflage ihren Zweck sehr gut erfüllt und längere Benutzung nicht zur Ermüdung der Hände führt. Auf der anderen Seite kann nicht erwartet werden, dass die Handballenauflage den Komfort ausgewachsener, abnehmbarer Modelle das Wasser reichen kann. Vor einem Kauf sollte die Tastatur deshalb nach Möglichkeit ausprobiert werden. Dies gilt vor allem für das allgemeine Tippgefühl. Denn trotz gleicher Schalterbestückung können sich die Tastaturen in ihrem Tippgefühl essentiell unterscheiden. Ausschlaggebend sind dafür vor allem die Qualität und Beschaffenheit der Tastenkappen, das Gehäuse und die Integration der Schalter. In dieser Hinsicht kann die Strike Pro von Ozone eine Menge Pluspunkte sammeln und das, obwohl der aktuelle Anschaffungspreis eher im unteren Mittelfeld angesiedelt ist. Die Tastenkappen haben eine angenehme Haptik und liegen stabil auf den Schalterstempeln. Die MX-Schalter sind durch die zusätzliche Metallplatte äußert gut fixiert, sodass sich selbige nur einige Mikrometer horizontal bewegen lassen. Die beim Tippen entstehenden Vibrationen werden nahezu komplett von der Tastatur absorbiert. Die Geräuschkulisse der Strike Pro entspricht der üblichen Lautstärke von Tastaturen in mechanischer Ausführungen.

Aufgrund der recht dünnen Schriftart kommt der zweifarbigen Beleuchtung neben dem optischen Akzent auch eine praktische Bedeutung zu. Denn gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen können die ausgesparten Buchstaben schwerlich bis gar nicht mehr gelesen werden, sodass ein Zuschalten der Beleuchtung vonnöten ist. In der kleinsten Helligkeitsstufe (30%) entspricht die Leuchtkraft der weißen LEDs in etwa einem weißem Aufdruck. Die Einstellungsmöglichkeiten der Beleuchtung lassen jedoch noch viel Raum für Verbesserungen. Zwar existieren sechs verschiedene Beleuchtungsprofile, allerdings zählen zu diesen auch ein Pulsieren, welches in der Praxis wohl kaum Anwendung findet, und der ausgeschaltete Zustand (0 % Helligkeit). Somit verbleiben folglich noch vier Modi: der Gaming Mode (nur rote LED-Beleuchtung aktiv) sowie drei Helligkeitsstufen (30 %, 70%, 100 %), welche sich primär auf die weißen LEDs auswirken.

Eine Möglichkeit, die stets helleren roten LEDs auf ein gleiches Helligkeitsniveau wie die weißen Leuchtdioden zu setzen, fehlt schmerzlich. Gerade in dunklen Umgebungen sticht die rote Beleuchtung deutlich hervor, blendet den Anwender glücklicherweise jedoch nicht.

Für ein als Gaming-Tastatur angepriesenes Produkt ist es durchaus schmerzlich, dass der Spielemodus einen handfesten Kritikpunkt darstellt. Positiv hervorzuheben sind vor allem die abschaltbare Windowstaste und das vertauschen der Layer für die Makrotasten. Letztere stehen jedoch auch im Mittelpunkt der Kritik. Mit gerade einmal sechs Makrotasten fällt diese Funktionalität im Verhältnis zu anderen Vertretern im Gaming-Bereich ganz klar zurück. Hinzu kommt, dass diese sich nur komfortabel und sinnvoll nutzen lassen, wenn auch die Pfeiltasten zum Spielen verwendet werden, was eher selten der Fall sein wird.

Mit der auf der mitgelieferten Mini-CD enthaltenen Software kann die Strike Pro nach den eigenen Vorstellungen konfiguriert werden. Die Strukturierung der Software weiß durchaus zu gefallen. In dem als "Main Control" bezeichneten Tab können die einzelnen Tasten mit Ausnahme der F-Tastenreihe, der Windows- und Funktionstasten sowie die Makrotasten frei umprogrammiert werden, um beispielsweise mit der Taste "Z" ein "Y" auszugeben. Für ein wenig Verwirrung sorgt die Abbildung der Tastatur im US-Layout, da sich die Anordnung der Tasten nicht mit der deutschen Ausführung deckt. Im zweiten Tab "Marco Settings" können - wie der Name bereits vermuten lässt - die Makros konfiguriert werden. Dabei stehen für jede der sechs Makrotasten entweder Multimedia- oder Windowsfunktion, die Definition eines Shortcuts oder der Zuweisung eines im Vorfeld aufgezeichneten Makros zur Auswahl. In dem dritten und letzten Tab mit dem Namen "Advanced Settings" können die technischen Einstellungen wie die Anpassung der Abtastrate, der Tasten-Reaktionszeit oder die Beleuchtung eingestellt und gespeichert werden. Unterhalb der durchschaltbaren Tabs lassen sich einzelne Profile erstellen, verändern sowie laden und speichern. An dieser Stelle befindet sich zudem die Möglichkeit der Aufzeichnung von Makros durch den Anwender. Bei der Makroaufzeichnung lassen sich die Tastenanschläge entweder mit oder ohne dazwischenliegende Pausen aufnehmen. Die Benutzefreundlichkeit der Software lässt aber noch viel Luft nach oben. Wann immer ein Profil geladen, die Abtastrate bzw. die Tastenreaktionszeit verändert oder die Beleuchtung eingestellt wird, initialisiert sich die Tastatur neu und reagiert für die nächsten 8-15 Sekunden (abhängig vom USB-Chipsatz und Mainboard) nicht mehr auf Tasteneingaben. Hinzu kommt, dass sich in manchen Fälle die Software schließt und wieder neu öffnet. Die Integration von Informationsfenstern würde die aufkommende Verwirrung an dieser Stelle direkt im Keim ersticken.

 

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