Cougar Attack X3 & Cougar 450K

Erstellt am: 02.07.2016 um 16:00 Uhr von Marco Schaarschmidt.

1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

Beitragsseiten

Mechanische Tastaturen erleben seit einigen Jahren eine Renaissance. War dieser Tastaturtyp vor nicht allzu langer Zeit aufgrund von hohen Produktionskosten und einem altmodisch wirkendendem Äußeren eher ein Ladenhüter, so führen heute nahezu alle namhaften Hersteller im Peripheriebereich diverse Tastaturen in mechanischer Ausführung als Teil ihres Portfolios. Zum Einsatz kommen dabei vorzugweise MX-Schalter des Herstellers Cherry in roter, schwarzer, blauer oder brauner Ausführung, die durch ihre Vielfalt alle Bereiche von taktil bis linear, von spürbaren bis nicht spürbaren Umschaltpunkten abdecken und sowohl bei PC-Spielern als auch im Büroalltag Anklang finden. Auch Derivate des Herstellers Kaihua (als Kailh vermarktet) mit ähnlicher Farbcodierung finden immer häufiger Verwendung.

Für diesen Testbericht stehen Hardware-Factory zwei Tastaturen des Herstellers Cougar zur Verfügung, die unterschiedlicher kaum sein können. Durch den Vertrieb von Gehäusen und Netzteilen einer breiteren Zielgruppe bekannt, umfasst das Angebot von Cougar seit rund zwei Jahren auch speziell auf die Bedürfnisse von PC-Spielern zugeschnittene Peripheriegeräte wie Mäuse und Tastaturen. Beim ersten Produkt, der Cougar Attack X3, handelt es sich um eine mechanische Tastatur der Oberklasse mit rotfarbender Hintergrundbeleuchtung, MX-Brown-Schaltern sowie einer Oberfläche aus gebürsteten Aluminium mit freistehenden Tasten. Das zweite Modell hört auf den Namen 450K und setzt ebenfalls auf ein Design mit freistehenden Tasten. Mehr haben die beiden Tastaturen jedoch nicht gemeinsam. Angepriesen wird die 450K als "Hybrid Mechanical Keyboard", was auf eine Mischung verschiedener Technologien schließen lässt. Eine Tastatur die sich nach einer Mechanischen anfühlt aber keine ist? Hardware-Factory hat beide Tastaturen unter die Lupe genommen und deckt unter anderem den Mythos "Hybrid Mechanical" für euch auf.


Technischer Überblick

Nebeneinander liegend sehen sich die Cougar Attack X3 und 450K recht ähnlich. Ein Blick in das Portfolio des Herstellers offenbart, dass dies durchaus beabsichtigt ist. Mit Ausnahme der Einsteiger-Tastaturen 200K, 300K sowie der Attack 2 weisen alle weiteren Produkte ein gleichbleibendes Grunddesign auf. Letzteres erinnert an eine Mischung aus verschiedenen geometrischen Formen wie Dreiecken, Trapezen und Heptagonen.

Bei der 450K geht Cougar keine Experimente ein und hält die Tastatur durch den Verzicht von Zusatzausstattungen, wie dedizierte Multimediatasten oder einer Handballenauflage, geradezu minimalistisch. Dem Mittelklasse-Segment zuzuordnen, adressiert Cougar zweifelsohne die Zielgruppe der Casual-Gamer, wofür der - verglichen vollwertigen mechanischen Tastaturen - geringe Anschaffungspreis von 50 € spricht. Ein Blick in die technischen Daten zeigt außerdem, dass viele der Funktionalitäten, mit denen die Attack X3 beworben wird, auch in die 450K Einzug erhalten haben. Bis zu drei Tastaturprofile und zehn programmierbare Tasten finden Platz in dem Speicher der Tastatur. Im Gegensatz zur Attack X3 verfügt die 450K jedoch über eine dreifarbige Tastenbeleuchtung.

  Cougar Attack X3 Cougar 450K
Größe (L × B × H) 170 X 467 X 40 mm 170 X 470 X 40 mm
Anschluss USB 2.0
Kabellänge 1,8 m
Tastatur-Größe /-Typ Full-Size, 105 ISO (erweitert) Full-Size, 105 ISO
Multimediatasten Lautstärke, Stumm -
Zusatzfunktionen (FN) Profilauswahl, Polling Rate (125 Hz -1000 Hz), Abspielen/Pause, Stopp, Vor, Zurück, Key-Rollover Profilauswahl, Polling Rate (125 Hz -1000 Hz), Abspielen/Pause, Stopp, Vor, Zurück, Lautstärke, Stumm
Schalter  Cherry MX Brown*) Hybrid-mechanisch
Tastenkappen Material: ABS-Kunststoff
Form: zylindrisch
Beschriftung: laser cut
Key-Rollover 6-KRO, N-KRO 6-KRO (26 Tasten Anti-Ghosting)
Programmierung  3 Tastaturprofile, 10 programmierbare Makros
Hintergrundbeleuchtung Rot Rot, Grün, Gelb
Beleuchtungsmodi   0%, 33%, 66%, 100%, Atmungseffekt 0%, 33%, 66%, 100%, Atmungseffekt, pulsierender Farbwechsel
Lieferumfang Handbuch
Gewicht 0,9 kg 1,0 kg
Preis (07/2016)    ab 100 € ab 50 €

*) Mit deutschem Layout aktuell nur mit MX Brown erhältlich. Allerdings mit MX Blue, MX Red und MX Black vom Hersteller beworben.

Die Cougar Attack X3 stellt im Grunde genommen eine abgespeckte 700K dar. Viele Zusatztasten am oberen und linken Rand der 700K sowie die Handballenauflage entfallen, während die Spezifikationen weitestgehend beibehalten wurden. Ausgestattet mit den taktilen Cherry MX-Brown-Schaltern, einer echten N-KRO-Funktionalität und dedizierte Multimediatasten ist die Attack X3 eine Tastatur aus dem Oberklasse-Segment. Der Preis von 100 € lässt angesichts der technischen Daten dabei auf ein faires Preis-/Leistungsverhältnis schließen.

Beiden Tastaturen liegt ausschließlich ein Handbuch bei. Die zur Konfiguration benötigte Software mit dem Namen "UIX-SYSTEM" muss von der Herstellerseite heruntergeladen werden und wird im Kapitel "Praxistest" vertieft behandelt. Die nächsten Abschnitte widmen sich den einzelnen Tastaturen, beginnend mit der Attack X3.


Cougar Attack X3: Äußerlichkeiten

Das Grunddesign der Attack X3 kann ohne Einschränkungen überzeugen. Nicht ohne Grund stellt selbiges die Referenz für alle aktuellen und kommenden Tastaturmodelle des Unternehmens dar. Die bei der Attack X3 verwendeten Materialen unterscheiden sich nicht gegenüber denen der 700K. Erneut werden freistehende Tasten mit einer Oberfläche aus gebürstetem Aluminium kombiniert. Die Aluminiumplatte ist mehrfach mit der Plastikummantelung verschraubt, was für eine ausreichende Stabilität sorgt. Diese Kombination weiß nicht nur optisch zu überzeugen, sie bietet zugleich auch in vielerlei Hinsicht Vorteile gegenüber anderen Tastaturmodellen. Eine Demontage der einzelnen Tastenkappen wird so beispielsweise zum Kinderspiel, ganz ohne den Einsatz einer Tastenzange oder dem preisgünstigeren äquivalent in Form einer zurechtgebogenen Büroklammer. Damit einhergehend gestaltet sich auch die Reinigung um ein vielfaches angenehmer. Durch das Fehlen von Fugen, Vertiefungen und verwinkelten Konstruktionen kann sich Schmutz schlechter festsetzen.

Umverpackung Hinweise auf mögliche Schalterbestückungen der Attack X3 Beschreibung der Funktionalitäten

Umfasst wird die Aluminiumplatte mitsamt der Schalter und Tastenkappen von einem umlaufenden Rahmen aus angerautem und schwarz mattiertem Kunststoff. Nach dem ISO-Standard handelt es sich um ein 105-Tastenmodell, welches von der Attack X3 lediglich um zusätzliche dedizierte Taster zur Lautstärkeregulierung oberhalb des Nummernblocks erweitert wurde. Dies ermöglicht den Verzicht auf Sekundärbelegungen, für die ohnehin nicht mehr viel Platz geblieben wäre. Bei der Attack X3 besitzen alle F-Tasten eine mittels der FN-Taste ansprechbare Sekundärbelegung. Neben den drei frei belegbaren Tastaturprofilen, der Beleuchtungseinstellung sowie der vierstufig wählbaren Polling Rate sind auch Multimediafunktionen zur Steuerung eines Audio-/Videoplayers in der F-Tastenreihe untergebracht. Über die Zusatzfunktionen der Druck- und Pause-Taste kann zudem zwischen 6-KRO und N-KRO im laufenden Betrieb gewechselt werden. Damit die Funktionstaste (FN) im 105-Tasten-Layout untergebracht werden kann, wurde kurzerhand die linke Windows-Taste ersetzt. Ein Sperren der Windows-Taste kann mit der Kombination FN und der rechtsseitigen Windowstaste ausgelöst werden. Durch den Verzicht von Zusatztasten am linken äußeren Rand, schließt die Attack X3 an beiden Seiten symmetrisch ab.

Cougar Attack X3 Numpad der Cougar Attack X3 Buchstabenfeld der Cougar Attack X3

Seitenansicht Rückseite der Cougar Attack X3 MX-Brown-Schalter mit integrierten LEDs

Die Langlebigkeit einer Tastatur ist von vielen herstellungsbedingten Faktoren und dem Nutzungsverhalten abhängig. Den größten Einfluss auf die Haltbarkeit wird jedoch den verwendeten Schaltern sowie den Tastenkappen und ihrer Oberflächenbeschichtung zugesprochen. Cherry MX-Schalter finden bei vielen Herstellern Verwendung, wodurch eine große Datenbasis bestehend aus empirischen Benutzererfahrungen und Langzeittests vorliegt. Durch die höchst individuellen Herstellungsprozesse gilt dies für die Beschaffenheit und Haltbarkeit der Tastenkappen sowie der Oberflächenbeschichtungen indes nicht. Der eigentliche Produktionsprozess der Tastenkappen bei beleuchteten Tastaturen ist dabei jedoch stets der gleiche. Mit transluzentem ABS-Kunststoff als Ausgangsmaterial für die Tastenkappen, erhalten selbige im Anschluss eine möglichst langlebige Oberflächenbeschichtung aus dem im letzten Fertigungsschritt die Beschriftung mit einem Laser ausgespart wird ("laser engraving").

 Tastenkappen aus ABS-Kunststoff Schriftart der Tastenkappen Typische Montageart durch Kreuzstempel von Cherry

 

Im Falle der Cougar Attack X3 weisen die Tastenkappen eine schwarz-matte und glatte Oberflächenbeschichtung auf. Die verwendete Schriftart und Symbolik ist klar leserlich, die einzelnen Buchstaben und Zahlen (typisch: 5 und S) können Problemlos voreinander unterschieden werden. Im Gegensatz zu Tastaturen anderer Hersteller besitzt der verwendete Schriftschnitt eine recht breite Dickte und auch die Schriftstärke ist fetter als die der 450K, sowie der von uns zuletzt getesteten Ozone Strike Pro.

Anschlusskabel mit Knickschutz Der USB-Stecker des Anschlusskabels

Das Anschlusskabel wurde ebenfalls von der Cougar 700K übernommen. Anders als bei vielen Tastaturmodellen, führt die Attack X3 das Kabel an der Hinterseite aus der Tastatur, wodurch auf Kabelkanäle an der Unterseite verzichtet und zudem ausgeschlossen werden kann, dass die Tastatur bei Nichtbenutzung der Standfüße auf dem Kabel aufliegt. Mit einer Länge von 1,8 Metern ist das mit Gewebeschlauch ummantelte Kabel zudem ausreichend lang bemessen.

Die Unterseite der Attack X3 Gummierte Auflagen sorgen für einen sicheren Halt der Tastatur Auch die Aufstellfüße bieten eine gummierte Auflage

Die Attack X3 einmal umgedreht, befinden sich auf der linken und rechten Vorderseite der Tastatur zwei trapezförmige Gummifüße. Auch die Hochstellfüße auf der Hinterseite besitzen eine Gummierung. Somit stellt Cougar sicher, dass stets eine hohe Rutschfestigkeit erreicht wird, egal ob die Tastatur plan auf den Tisch oder angewinkelt zur Anwendung kommt. Die Rutschfestigkeit auf einem Schreibtisch kann als sehr gut bezeichnet werden. Dabei geht das Verhalten sogar soweit, dass die Tastatur beim Versetzten angehoben werden muss, da andernfalls die Hochstellfüße wieder zurückklappen. Der Tastenanstieg beträgt wahlweise 5° oder 8°. Cougars Spitzenmodell sei Dank, besitzt die Attack X3 eine Vorrichtung zur Aufnahme einer Handballenauflage, wenngleich weder eine dem Lieferumfang beiliegt, noch eine als Zubehörteil käuflich erworben werden kann.

Der Tastenanstieg beträgt wahlweise 5°... ... oder 8°. Der Unterschied zwischen den Tastenanstiegen fällt jedoch sehr gering aus

Auf der nächsten Seite: Innere Details der Cougar Attack X3


Cougar Attack X3: Innere Details 

Die Cougar Attack X3 ist mit deutschsprachigem Tastaturlayout ausschließlich mit Cherry MX-Brown-Schaltern erhältlich. Auch wenn die Produktseite auf der Herstellerhomepage anderes verspricht, so sind selbst die Ausführungen mit englischem oder amerikanischem Layout lediglich mit den braunen Schaltern erhältlich. Viele PC-Spieler bevorzugen eher nicht-taktile Schalter wie die MX-Red oder MX-Black. Dennoch bieten viele Hersteller wie ROCCAT (Ryos MK FX, Ryos TKL Pro), Ducky (Legend, One, Shine), Crosair (Gaming STRAFE, Gaming K70) oder Logitech (G710+) speziell auf PC-Spieler zugeschnittene Tastaturen mit dem braunen Schaltertypen an. Auch aufgrund der niedrigen Betätigungskraft, der bei den brauen wie bei den roten Schaltern gleich ausfällt, stellen die MX-Brown einen Kompromiss zwischen einer Gaming-Tastatur und einer Schreibtastatur dar. Ebenfalls für diesen Schaltertyp charakteristisch ist ein vier Millimeter langer Federweg, wobei der Signalschaltpunkt bereits nach einer Strecke von zwei Millimetern erreicht wird.

MX-Brown von Cherry
(Quelle: Cherry)

Die Betätigungskraft von 45 Gramm zur Überwindung des Federwiderstands ist äquivalent zu denen der MX-Red. Allerdings müssen nochmals 10 Gramm mehr aufgewendet werden (55 Gramm), um den eigentlichen Schaltpunkt zu überwinden. Die Charakteristik der MX-Brown bleibt an dieser Stelle unbewertet, da letztendlich das Wohlgefallen der verschiedenen MX-Schaltertypen stark von eigenen Präferenzen und Empfindungen geprägt ist.

Funktionsweise der MX-Brown
(Quelle: Lethal Squirrel von geekhack.org)

Für die Montage der einzelnen Schalter kommt die sogenannte "plate-mounted"-Methode zum Einsatz. Statt die Schalter ausschließlich mit dem PCB zu verlöten, wird eine Aluminiumplatte als Zwischenschicht verwendet. Im Falle der Attack X3 ist die Aluminiumplatte gleichzeitig die Oberfläche des Gehäuses, welche die einzelnen MX-Schalter mittels vorgesehener Löcher fixiert und durch Halteklammern gegen horizontales und vertikales Verrutschen sichert. Durch die zusätzliche Schicht zwischen Schaltern und PCB werden eine höhere Stabilität und ein besseres Tippgefühl erreicht. Auch unterbindet diese Montagemethode einen Großteil der Vibrationen, was sich positiv auf die Charakteristik jedes einzelnen Schalters auswirkt. Mit 900 Gramm bringt die Attack X3 rund 400 Gramm weniger auf die Waage, als die in gleicher Art und Weise gefertigte Ozone Strike Pro, wobei die Aluminiumplatte sicherlich der ausschlaggebendste Faktor ist.

Die Tastenkappen der Cougar Attack X3 werden wie bei allen mit Cherry MX-Schaltern bestückten Tastaturen auf den Kreuzstempel des Schalters gesteckt. Im Inneren der Tastenkappen befindet sich eine entsprechend kreuzförmige Aussparung. Die größeren Tasten, wie beispielsweise die Eingabe-, Leer-, Rück- oder Enter- und die auf sich auf dem Zahlenblock befindlichen Plus-, Enter- und 0-Tasten, wurden mit Stabilisatoren im Cherry-Stil ausgestattet. Beim Cherry-Stil werden an den gegenüberliegenden Enden zusätzliche Kreuzstempel angebracht. Diese sorgen dafür, dass ein gleichmäßiges Absenken der einzelnen Tasten erfolgt, auch wenn selbige nicht zentral heruntergedrückt werden. Gegenüber den ebenfalls verbreiteten Costar-Stabilisatoren, bei der ein zusätzlicher Drahtbügel verwendet und an den jeweiligen Enden der Tasten befestigt wird, ist der Cherry-Stil wartungsärmer, da kein Einsatz von Schmiermittelen oder Ölen vonnöten ist und Kreuzstempel generell weniger empfindlich gegenüber Staubansammlungen sind.

Die Signale der Lautstärkeregulierung oberhalb des Nummernblocks werden mit Rubberdome-Technik erfasst. Die Tastenkappen weisen aufgrund dessen eine komplett andere Charakteristik auf und besitzen außerdem eine vollständig andere Montagevorrichtung. Dass Zusatztasten generell mit einer anderen Technik ausgestattet werden, ist nicht unüblich und schlicht auf die kostengünstigere Herstellung zurückzuführen. Als Alternative kommen auch immer häufiger Mikroschalter zum Einsatz.

Bei der Attack X3 verzichtet Cougar auf den Einsatz dedizierter Status-LEDs. Stattdessen wandert die Statusanzeige direkt in die einzelnen Funktionstasten. So wird die LED derjenigen Tasten nur dann aktiviert, wenn das entsprechende Merkmal (Caps Lock, Numblock, Rollen) zugeschaltet wurde. Dadurch sind diese Tasten von der eigentlichen Beleuchtung der Tastatur separiert und können auch nicht in ihrer Helligkeit verändert werden. Die Beleuchtung der Cherry-MX-Schalter erfolgt immer nach demselben Prinzip. Je nach Orientierung des Schalters auf der Tastatur wird eine LED entweder über- oder unterhalb des Kreuzstempels platziert, wodurch eine gleichmäßige Ausleuchtung der einzelnen Tastenkappen nicht möglich ist. Bei der Attack X3 befinden sich die Dioden oberhalb des Schalters. Folglich kann auch nur der obere Bereich der Tastenkappen ausgeleuchtet werden. Daraus resultierend ergibt sich eine nur befriedigende Ausleuchtung der Beschriftung von Sekundär- und Drittfunktionen, welche zudem noch unter einem stark abnehmenden Helligkeitsverlauf leiden.

Die Verarbeitung der Platine ist durchweg solide. Gerade an den kritischen Stellen, wie den Befestigungspunkten der Schalter, konnten keine Nachlässigkeiten gefunden werden. Hergestellt wird die Tastatur von taiwanesischen Erstausrüster Solid Year, der nach eigenen Angaben bereits seit 1985 Tastaturen produziert und mit einem Produktionsvolumen von 1.1 Millionen Tastaturen monatlich zu den größeren Herstellern der Branche zählt. Auch andere Tastaturen wie die CM Quickfire TK, die Corsair Vengeance K65/K75/K95, die Logitech G710+ sowie die Razer Blackwidow 2013-Serie entstehen in den Werken von Solid Year. Als USB-Controller kommt der SH68F86P von SinoWealth zum Einsatz. Die SH68F86-Serie basiert auf einem erweiterten 8051-Mikrocontroller, unterstützt den USB1.1-Standard und stellt eine Low-Speed-USB-Geräteadresse mit drei Endpunkten bereit. In unserem Test wird die Attack X3 jedoch als Full-Speed-USB-Gerät erkannt, sodass der Verdacht nahe liegt, dass es sich bei der P-Erweiterung um eine aufgebohrte Variante handelt.

Weitere Worte gibt es an dieser Stelle zur Attack X3 nicht zu verlieren. Es folgt die Cougar 450K.


Cougar 450K: Äußerlichkeiten

Vor allem Gelegenheitsspieler sollen sich von der 450K angesprochen fühlen. Ein auf dem Papier mit der Attack X3 vergleichbarer Funktionsumfang und ein Tippgefühl, welches dem einer mechanischen Tastatur zum Verwechseln ähnlich sein soll, zu einem schmalen Preis ab 50 €. Damit positioniert sich Cougar mit der 450K eher im Einsteigerbereich der Spieler-Tastaturen. Der selbst gewählte Fokus, welcher eher optische Funktionalitäten wie die Beleuchtung in den Vordergrund rückt, beeinflusst das Layout der 450K. Hier handelt es sich um ein reines ISO-105-Tastenmodell, welche über keine dedizierten Multimedia-, Makro- oder Funktionstasten verfügt. Die bei der Attack X3 dedizierten Taster für die Lautstärkeregulierung finden sich nun im F-Tastenblock wieder. Zusatztasten für das Key-Rollover entfallen funktionsbedingt, stattdessen besitzt der letzte Tastenblock (Druck, Rollen, Pause) einen Teil der Multimediafunktionen. Auch in diesem Fall muss die linksseitige Windows-Taste der Funktionstaste (FN) weichen, um die Sekundärbelegungen ansprechen zu können.

Ebenso gilt es bei dem verwendeten Material Abstriche in Kauf zu nehmen. Auch wenn das grundlegende Design mit freistehenden Tastenkappen beibehalten wurde, so muss die Aluminiumplatte einer optisch weniger ansprechenden Lösung aus schwarzem und fein geriffeltem Plastik weichen. Der designbedingte Vorteil einer einfacheren Reinigung durch den Verzicht von Fugen, Vertiefungen und verwinkelten Konstruktionen bleibt erhalten. Ironischer weise bringt die 450K ein Kilo Gewicht auf die Waage und ist damit um 100 Gramm schwerer als die Attack X3, was primär der Umsetzung der Tastenbeleuchtung zuzuschreiben ist.

Im Bereich der Tastenkappen sind bei diesem Modell keine Überraschungen zu erwarten. Wie bereits angesprochen, haben die Oberflächenbeschichtung und die verwendeten Schalter den größten Einfluss auf die Haltbarkeit. Auf dem ersten Blick unterscheiden sich die Beschichtungen beider Tastaturen nicht voneinander. Im Falle der 450K dient vollständig transparenter ABS-Kunststoff als Ausgangsmaterial für die Schaltergehäuse. Der weitere Verarbeitungsprozess ist jedoch identisch. Dem Design der 450K entsprechend, besitzen auch die Schaltergehäuse eine glatte, schwarze Oberflächenbeschichtung. Bei diesem Modell hat sich Cougar für eine etwas filigranere Schriftart entschieden, die nachwievor klar leserlich und unterscheidbar ist und die bei den Buchstabentasten um etwa einen Schriftgrad kleiner als bei der Attack X3 ausfällt.

Die Oberflächen des Gehäuses und der Tastenkappen sind haptisch sehr angenehm und überzeugen. Insgesamt wirkt die Tastatur funktional und bietet wenig Raum für Kritik betreffend der Verarbeitungsqualität. Einzig und allein die Anfälligkeit für Finger- und Handballenabdrücke im vorderen Bereich ist weniger erfreulich. Ein optisch hervorzuhebendes Merkmal der ansonsten schlicht gehaltenen Tastatur ist das zweifarbige Gehäuse. Der in einem Stück gefertigte untere und hintere Bereich besitzt ein helleres Bordeauxrot. Das Anschlusskabel wird aus der Rückseite der Tastatur geführt und ist anders als bei Attack X3 nicht mit einem Gewebeschlauch umfasst, sondern mit einfacher Gummiummantelung. Auch auf einen Knickschutz beim Übergang zur Tastatur verzichtet Cougar. Stattdessen verfügt die 450K über ein Klett-Kabelbinder zum Bündeln des Anschlusskabels. Mit einer Länge von 1,8 Metern ist das Anschlusskabel auch hier ausreichend bemessen.

Um ein Verrutschen der Tastatur auf dem Arbeitsplatz zu unterbinden, spendiert Cougar der 450K insgesamt fünf gummierte Auflagen. Jeweils eine Auflage befindet sich in jeder Ecke der Tastatur, während die fünfte mit den Abmessungen von 6x1cm zentral an der vorderen Unterseite platziert wurde. Die zwei in den Boden eingelassenen gummierten Hochstellfüße bieten im eingeklappten Zustand keine zusätzliche Rutschsicherung. Nach hinten aufgestellt übernehmen diese die Aufgabe der hinteren Auflagen. Anzumerken sei noch, dass die Cougar 450K über keine Aufnahmen für eine Handballenauflage verfügt. Der Tastenanstieg beträgt wahlweise 5° oder 8°.

Auf der nächsten Seite: Innere Details der Cougar 450K


Cougar 450K: Innere Details

Die zur Anwendung kommende Schaltertechnik ist sicherlich das interessanteste Merkmal der 450K. Von Cougar wird die Tastatur als "Hybrid Mechanical Keyboard" vorgestellt, doch was hat sich der Endverbraucher darunter vorzustellen? Aus Marketingsicht handelt es sich um eine raffiniert gewählte Bezeichnung. Denn obwohl der Begriff das Schlagwort "mechanisch" enthält, steckt in der 450K die preisgünstige Rubberdome-Technik, die jedoch mit einigen Kniffen so erweitert wurde, dass die Charakteristik nach Aussagen des Herstellers in Bezug auf die Geschwindigkeit, Lebensdauer, Zuverlässigkeit und das taktile Feedback dem einer mechanischen Tastatur entsprechen soll.


(Quelle: Cougar)

Das Funktionsprinzip dahinter ist einfach erklärt. Die einzelnen Tastenkappen werden wie bei einer mechanischen Tastatur auf die Stempel aufgedrückt. Die Stempel sorgen nun dafür, dass die kinetische Kraft des Fingers beim Drücken der Taste auf den festdefinierten Aktivierungsbereich der Membrane gelenkt wird, wodurch sich Cougar neben einer verbesserten Präzision, die bereits zuvor genannten Vorteile erhofft. Der immer gleichbleibende - weil geführte - Aktivierungspunkt wird auch an die Leiterfolien weitergegeben, wodurch das Auslösenverhalten der Taste immer gleichbleibend sein soll, egal wie diese betätigt wurde. Cougar unternimmt damit den Versuch, einem sich aufgrund von Alterungsprozessen des Gummis verschlechternden Schreibgefühl bei Rubberdome-Tastaturen entgegenzuwirken. Desweiteren sollen die Tasten sowohl ein spürbares- als auch hörbares Feedback aufweisen. Auch wenn Rubberdome-Tastaturen einen eher leisen Tastenanschlag besitzen, ist ein spürbares Feedback schon bauartbedingt gegeben und daher keine Neuerung gegenüber einfachen Rubberdome-Varianten. Die geringere Lebensdauer ist ein echter Nachteil der Technik, den Cougar mit einer angegebenen Lebensdauer der Tasten mit bis zu 20 Millionen Operationen entgegenzuwirken versucht. Zum Vergleich: Cherry MX-Schalter sind mit einer Lebensdauer von etwa 50 Millionen Operationen angegeben.

Die geringe Rollover-Fähigkeit von 2KRO oder 3KRO ist ein Problem, unter dem Rubberdome-Tastaturen besonders häufig leiden. Damit einhergehend auch das sogenannte Ghosting. Cougar versucht hier zweierlei um das Problem anzugehen. Zum Einem ist die Tastatur für ein 6KRO ausgelegt, zum Anderen wurden bestimmte Tastenareale so optimiert (Anti-Ghosting), dass eine beliebige Tasteneingabe in dem Areal korrekt erfasst und ausgewertet werden kann. Zu den optimierten Tasten zählen die linksseitige Hilfstasten (Alt, Strg, Shift, Caps Lock, Tab), die Leertaste, die Pfeiltasten sowie einige Tasten aus der ersten (Q-T), der zweiten (A-G) und der dritten (Y-B, M) Buchstabenreihe.

Auch bei der Cougar 450K werden die Tastenkappen auf die Stempel der Schalter gesteckt. Anstelle der bei MX-Schaltern üblichen kreuzförmigen Cherry-Aufnahmen wurden quadratische Pendants verbaut, die an Stempel und Tastenkappen der Firma Alps erinnern, ohne jedoch Rückschlüsse auf ein bestimmtes Modell ziehen zu können. Im Gegensatz zur Attack X3 werden bei der 450K die etwas wartungsintensiveren Costar-Stabilisatoren eingesetzt. Die zusätzlichen Drahtbügel sorgen für ein gleichmäßiges Absenken der einzelnen Tasten, auch wenn diese nicht zentral betätigt werden.

Aufgrund der Beleuchtung sind die Tastenstempel aus transparentem Kunststoff gefertigt, wodurch das Licht von Innen in die Tastenkappen vordringen kann. Die bei Cherry MX-Schaltern häufig auftretende ungleichmäßige Ausleuchtung der Tastenkappen kann mit dieser Methodik effektiv entgegengewirkt werden. Die neu eingeführten Cherry MX-RGB lösen das Problem der ungleichmäßigen Ausleuchtung auf ähnlicher Weise. Bei der 450K kann der Anwender wahlweise zwischen einer roten, grünen und gelben Tastenbeleuchtung wählen, die jeweils in Helligkeitsschritten von 33%, 66%, 100% über die FN- und F4-Tasten eingestellt werden können. Zusätzlich existiert noch eine Atmungseffekt-ähnliche Beleuchtungseinstellung und ein pulsierender Farbwechsel zwischen den drei Farben, der jedoch nur über die Software konfiguriert werden kann. Die vier dedizierten Status-LEDs leuchten unabhängig von der Hintergrundbeleuchtung in einem gleichbleibenden roten Farbton.

Leider hat Cougar die Möglichkeit der Tastenbeleuchtung nicht ausgenutzt. Die Ausleuchtung der Tasten wirkt objektiv betrachtet stimmiger als bei der Attack X3. Allerdings fällt das Helligkeitsniveau im Gegensatz zu anderen Tastaturen selbst auf hellster Einstellungsstufe gerade bei der roten und gelben Farbeinstellung viel zu gering aus. Lediglich der grüne Farbton kommt aufgrund des giftig wirkenden Charakters in dunklen Umgebungen deutlich besser zur Geltung. Der Beleuchtungsmodus kann über die Sekundärfunktionen ausgewählt werden, bei der Farbe ist dies nicht möglich. Stattdessen wird für die Konfiguration die hauseigene Software benötigt. Jedoch ist im Auslieferungszustand der Tastatur jeder Beleuchtungsmodus in einer der drei Profile hinterlegt worden und lässt sich über die FN- und wahlweise den F1-F3-Tasten auswählen. Ein ungewollter Effekt ist sicherlich auch das durch den roten Boden der Tastatur ausstrahlende Licht der LEDs aufgrund des zu durchlässig gewählten Materials.

Die Quelle der Beleuchtung befindet sich im Inneren der Tastatur hinter den Leiterfolien. Das transparente Panel besitzt an der Oberseite und in Höhe der Tasten punktierte Streuelemente, an denen sich das Licht der LEDs bricht und anschließend über die Leiterfolien, den Gummiglocken und den Tastenkappen nach außen gelenkt wird. Bauartbedingt kommt es so zu einer Dimmung, was zu einer mageren Lichtausbeute führt. Das Innenleben der 450K ist von den Leiterfolien bis zum PCB des sauber verarbeitet. Auf einzelne und lose oder auf Leiterfolien geklebte Gummiglocken verzichtet Cougar glücklicherweise gänzlich. Stattdessen werden alle Rubberdome-Schalter auf einer Gummimatte vereint. Als USB-Controller kommt ebenfalls der SH68F86P von SinoWealth zum Einsatz, wobei die Tastatur diesmal aus den Werken des Produzenten Adomax Technology stammt. Die 450K wirbt damit, ein spritzwassergeschützt Design zu besitzen, was sich im Inneren sehr gut erkennen lässt. Die kleine Controllerplatine ist in mit einer verschraubten Plastikabdeckung und zusätzlicher Gummidichtung gegen eindringendes Wasser geschützt. Auch die Plastik-Stempel wirken in die Tastatur eingelassen, sodass auf der Tastatur befindliche Flüssigkeiten nur erschwert durch die Tastenschalter ins Innere eindringen können.


Praxistest

Der Praxistest gliedert sich in zwei Teilabschnitte. Unter der Überschrift "Alltagserfahrungen" werden die beiden Tastaturen selbstredend gängigen Alltagstests unterzogen und anschließend bewertet. Neben der Handhabung beim Anfertigen von Texten und Spielen ist auch das Testen der Ghosting- und Rollover-Funktionen sowie der Beleuchtung ein fester Bestandteil dieses Abschnitts. Im zweiten Teil „Software“ wird die von Cougar als Download bereitgestellte UIX-Software zur Konfiguration der Tastaturen (Profile, Tastenbelegungen, Beleuchtung) genauer untersucht.

Alltagserfahrungen

Beide Tastaturen werden von Cougar für PC-Spieler beworben. Dort besitzt das korrekte Erkennen von gleichzeitig gedrückten Tasten eine übergeordnete Rolle. Beim Anfertigen von Texten werden beispielsweise in den seltensten Fällen mehr als zwei Tasten ohne Zuhilfenahme einer Hilfstaste gleichzeitig betätigt. Sowohl die Attack X3 als auch die 450K geben sich gegenüber des Windows-Betriebssystems als USB1.1 Human Interface Device im Full-Speed-Modus zu erkennen, wodurch beste Voraussetzungen für eine N-KRO-Fähigkeit geschaffen sind. Für eine detaillierte Beschreibung von N-KRO im Zusammenhang mit Profilen, Datenübertragungen und Limitierungen von USB sei auf den Praxistest der Ozone Strike Pro verwiesen.

Cougar Attack X3: Überzeugt im Praxistest
Die mechanische Attack X3 besitzt aus Kompatibilitätsgründen (BIOS, Windows-unähnliche Betriebssysteme) mit 6-KRO und N-KRO zwei Key-Rollover-Modi für die Signalerfassung. In diesem Fall enttäuscht uns Cougar nicht und hält das Versprechen der N-KRO-Funktionalität ein. Das 6-KRO reicht in den meisten Anwendungsszenarien vollständig aus. Wer eine größere Anzahl von gleichzeitig auswertbaren Tasten benötigt, kann über die FN- und Pause-Taste den Modus während des Betriebs auf N-KRO umstellen. Über FN- und die Druck-Taste lässt sich die Attack X3 wieder auf 6-KRO zurückstellen.

Das Tippgefühl der Attack X3 entspricht denen normaler Tastaturen mit MX-Brown-Schalterbestückung. Überraschungen, im positiven wie im negativen Sinn, sind bei dieser Tastatur nicht zu erwarten. Der maximale Hubweg beträgt 4 mm, wobei der Signalauslösepunkt bereits nach 2 mm Wegstrecke erreicht ist. Schade ist jedoch, dass diese Tastatur nicht mit anderen Schaltern wie den MX-Red angeboten wird, was die Tastatur für die angepeilte Zielgruppe noch interessanter machen würde. Was bei Spieletastaturen zum Standard gehört, findet sich auch in der Attack X3 wieder: Die Deaktivierung der Windows-Taste. Die Sekundärfunktionen für die Auswahl der drei Profile und der USB Polling Rate lassen sich jeweils mit  einer Hand bequem erreichen. Durch die Platzierung der FN-Taste im linken Bereich des Tastenfeldes können die Multimediafunktionen auf den Tasten F10 bis F12 leider nicht mehr einhändig erreicht werden. Die Lautstärkefunktionen liegen als dedizierte Tasten vor, so dass keine Klammergriffe vonnöten sind. Einziger Kritikpunkt der sonst überzeugenden Tastatur ist die für dieses Preissegment nur mittelmäßige Verwindungssteifigkeit. Die obere Plastikführung lässt sich mit mäßigem Aufwand verformen und quittiert dieses mit einem Knarksen an den Befestigungspunkten mit der Aluminiumplatte.

Cougar 450K: Eine enttäuschende Gesamtperformance
Die 450K ist im Key-Rollover-Test eine einzige Enttäuschung, denn die Tastatur ist alles, nur kein 6-KRO-Pendant. Der Test mit dem Programm "Aqua’S KeyTest" offenbart, dass es sich bei der 6-KRO-Angabe nur um einen Marketing-Bluff handelt. Das positive Ergebnis des Tests: Das als Anti-Ghosting-Areal ausgewiesen Tastenfeld hält was es verspricht. In diesem Bereich werden alle Tastendrücke sauber erkannt. Mehr noch, die Eingabe ist nicht auf ein 6-KRO limitiert, sondern weist faktisch ein vielfaches 6-KRO auf. Leider gibt es ansonsten nichts viel Positives über die 450K zu berichten. Sobald in der Produktbeschreibung von einem speziell ausgearbeiteten Areal gesprochen wird, sollte der Anwender hellhörig werden. In der Regel wird die Rollover-Fähigkeit einer Tastatur über die minimale Anzahl gleichzeitig erkennbarer Tastendrücken definiert. Im Falle der 450K handelt es sich demnach leider nur um eine 2-KRO-Tastatur. Werden im Nummernfeld beispielsweise die Tasten NUM4 und NUM5 betätigt, können weder die NUM0, NUM1, NUM2, NUM7, NUM8 sowie die NUM- und Geteilt-Taste betätigt werden, da die Tastatur durch das Blocking ein Ghosting entgegenwirkt. Dass dies kein Einzelfall ist, zeigt der Test auf dem Buchstabenfeld. Bei Betätigung der K- und O-Taste blockiert beispielsweise die Taste P. Ohne erkennbares Muster und vermutlich der Verdrahtung der Tasten oder der Firmware geschuldet, existieren noch weitere Tastenkombinationen, die mal nach acht und mal nach nur vier gleichzeitig gedrückten Tasten zum Blocken der Tastatur führen. Für ein Problem mit der Verdrahtung oder der Firmware spricht außerdem eine Kombination der Zahlentasten 4 und 6 bis 8, was ein Nichterkennen der Taste 8 zur Folge hat. Ein Loslassen der Taste 6 führt in selben Testfall dazu, dass diese noch weiterhin als gedrückt erkannt wird. Ein Firmware-Update auf die Version FW25 vom 29.03.2016 hat für keine Verbesserungen gesorgt. Selbst innerhalb des als Anti-Ghosting bezeichneten Tastaturareals können keine Tastenanschläge mehr registriert werden, sofern sich die Tastatur im Blocking-Modus befindet.

Das Tippgefühl der 450K ähnelt denen der Cherry MX-Brown. Gemein haben beide Tastaturen einen Hubweg von 4 mm. Wie im Falle der Attack X3 lösen auch die Rubberdome-Schalter das Signal nach einer Wegstrecke von 2 mm aus. Subjektiv betrachtet ist jedoch ein höherer Kraftaufwand für das Auslösen des Signals vonnöten. Ein Widerstand, der nach dem Eindrücken der Gummiglocke nicht wie bei mechanischen Schalter stärker abfällt sondern sich lediglich reduziert, ist eine Eigenheit von Rubberdome-Tastaturen, die sich auch bei der 450K wiederfindet. Die Deaktivierung der Windows-Taste ist auch mit der 450K möglich. Das Konzept mit der FN-Taste auf der linken Seite der Tastatur verhindert auch bei der 450K eine Steuerung der Multimedia- und Lautstärkeeinstellung mit einer Hand. Die Verwindungssteifigkeit liegt auf einem etwas höheren Niveau als das der Attack X3.

Beiden Tastaturen wohnt ein zu geringer Aufstellwinkel von 5° im unaufgerichteten und 8° im aufgestellten Zustand inne, der kaum merkliche Veränderungen mit sich bringt und sich negativ auf die Ergonomie auswirkt. Zwar erwiesen sich beide Modelle als ausreichend rutschfest, jedoch hätten beide von einem höheren Eigengewicht im Sinne einer höheren Standfestigkeit profitiert.

Software

Auf der Herstellerseite präsentiert Cougar ihr UIX-SYSTEM als eine Plattform- und hardwareübergreifende Lösung, bei dem eine Softwarelösung für die Steuerung und Konfiguration von Tastaturen, Mäuse und sogar Netzteilen verwendet werden kann. Doch der Schein trügt, wie unser Test aufzeigt. Für die Attack X3 und 450K müssen jeweils zwei separate Softwarepakete installiert werden. Positiv: Bei der Installation werden die Tastaturen ganz zur Freude des Kunden direkt mit der aktuellsten Firmware-Version auf den neusten Stand gebracht. Die Oberfläche der Software ist für beide Tastaturen nahezu gleich. Unterschiede beziehen sich nur auf die Ausprägung der Konfigurationsmöglichkeiten, da diese bei beiden Tastaturen naturgemäß unterschiedlich ausfallen. In der waagerecht unterteilten Software ist der linksseitige Teilbereich zur allgemeinen Navigation und speziell für die Verwaltung und Auswahl der einzelnen Modi und Profile vorgesehen. Hier kann zwischen einzelnen Modi gewechselt und neue Profile mit eigenem Namen und Bild angelegt werden. Für jedes Profil können die Menüstrukturen für die Hardwareeinstellungen, die Tastenbelegung und der Beleuchtung angewählt werden. Kommt mehr als ein Eingabegerät des Herstellers zum Einsatz, ermöglicht das UIX-SYSTEM - die Installation des einzelnen Softwarepakets vorausgesetzt - einen Wechsel zwischen den verschiedenen Produkten. Über den linken Teilbereich können die Einstellungen vorgenommen werden, die im Folgenden näher beschrieben werden sollen.

Profilerstellung
Die Abwandlung vorhandener oder Erstellung neuer Profile ist selbsterklärend. Neben einen eigenen Namen kann ein Profil mit einem bis zu 200x150 Pixel großen Logo kombiniert werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit drei Programme anzugeben, bei deren Start die Tastatur das Profil automatisch wechselt.

Hardwareeinstellungen
Die Einstellung der Polling Rate des USB-Abschlusses sowie die Wiederholrate der Tasten können in den Hardwareeinstellungen vorgenommen werden. Für die Attack X3 kann außerdem zwischen 6-KRO und N-KRO umgeschaltet werden, was auch über Sekundärbelegung und damit ohne Software möglich ist.

Tastenbelegung
Unter diesem Menüpunkt lassen sich einzelnen Tasten mit anderen Funktionen belegen. Die von Cougar dargebotenen Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt und reichen von der Umbelegung einzelner Tasten, das Binden von Shortcuts auf Einzeltasten und dem Zuweisen von erweiterten Funktionen bis hin zur Erstellung von Makros. Mit Ausnahme der Zusatztasten der Attack X3 ermöglicht die Software die Funktionsänderung aller Tasten. Ein Anklicken der zur konfigurierenden Taste auf der Abbildung der Tastatur genügt, um diese anschließend über ein zusätzliches Menü mit einer neuen Funktion zu versehen. Irritierend ist das amerikanische Layout auf den Abbildungen der Tastaturen, allerdings ist die Position der Taste und nicht die Beschriftung entscheidend. Soll heißen, dass auch wenn die Doppelpunkt-/Semikolon-Taste auf dem Bild angeklickt wird (US-Layout), sich die Änderung auf die Ö-Taste bezieht (DE-Layout). Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick der wichtigsten Konfigurationsmöglichkeiten.

Einzelfunktion 
Taste deaktivieren  Ja
Zuweisen von Funktionen anderer Tasten  Ja
Zuweisen von Shortcuts  Ja
Makros  
Anzahl Ohne Begrenzung
Länge 88 Elemente
Ausgabe Einmalig, N-Fach, während des Tastendrucks, bis zum nächsten Tastendruck nach Aktivierung
Zuweisung 10 Stück
Makro-Aufnahme
Editor Ja
Aufnahmemöglichkeiten Tastatur (Tasten, Tastenkombinationen), Maus (Position, Tasten)
Verzögerung    keine, Reale/feste Abstände
Editieren Ja

Die Zuweisung von erweiterten Funktionen ist aufgrund der nicht sehr aussagekräftig gewählten Bilder und Bezeichnungen etwas irreführend. Glücklicherweise wird von Cougar eine ausführliche Anleitung bereitgestellt, mit der sich alle offenen Fragen klären lassen. Die erweiterten Funktionen umfassen Möglichkeiten zur Auswahl sowie zum Wechsel einzelner Modi und bieten darüber hinaus auch eine als "Instant Mode Switch" bezeichnete Funktion. Der "Instant Mode Switch" beschreibt einen Modus, der nur solange aktiv ist, wie die zugewiesene Taste betätigt wird. Ebenfalls möglich ist das Zuweisen von Multimedia- und Mausfunktionen (Links-, Rechts- Doppelklick,…) sowie Funktionen von Hilfstasten wie der FN- und Windows-Taste. Im Übrigen kann dadurch der zuvor beschrieben Problematik mit der zweihändigen Bedienung der Multimediatasten entgegengewirkt werden. Auch das Ausführen von Programmen über die Auswahl der jeweiligen EXE-Datei steht als erweiterte Funktion als Auswahl zur Verfügung.

Die Makro-Funktion sollte altbekannt sein. Mit einem integrierten Aufnahmeeditor können sowohl Mausbewegungen als auch Tasteneingaben aufgezeichnet und einzelnen Tasten zugewiesen werden. Es lassen sich zudem detaillierte Angaben darüber machen, ob Verzögerungszeiten ignoriert werden sollen und in welchem Modus das Makro abgespielt werden soll. Dennoch sind Limitierungen vorhanden. Die Zuweisung von Makros ist beispielsweise auf maximal zehn verschiedene Tasten begrenzt. Selbige speichern den Ablauf von bis zu 88 Einträgen. Dazu zählen Tastatur- und Mauseingaben sowie Verzögerungszeiten.

Beleuchtung
Im letzten Menüpunkt der Software kann die Beleuchtungseinstellung der Tastaturen vorgenommen werden, wobei sich die Möglichkeiten bei der Attack X3 lediglich auf die Sekundärfunktion für die Beleuchtungseinstellung beschränken. Nicht erwünschte Beleuchtungsmodi können mit einem einfachen Klick abgewählt werden, sodass diese sich nicht mehr über die Sekundärfunktion auswählen lassen. Für die 450K ist neben der Konfiguration der Hintergrundfarbe ein weiterer Modus vorgesehen, bei dem pulsierend durch die drei Farben rot, grün und gelb geschaltet wird.

Alle Einstellungen an den drei Basisprofilen können sowohl über die Software als auch über die Tastatur auf ihren Ursprung zurückgesetzt werden. Dazu reicht ein Herunterdrücken der FN- und wahlweise eine der Tasten des jeweiligen Profils für einen Zeitintervall von mindestens drei Sekunden. Insgesamt kann die Software mit ihren Funktionsumfang überzeugen. Eine manchmal etwas träge Bedienung sowie die nicht aussagekräftigen Beschreibungen der erweiterten Funktionen sind an dieser Stelle vernachlässigbar.


Fazit

Mit der Attack X3 und der 450K erweitert Cougar sein Produktsortiment nochmals um zwei weitere Modelle für verschiedene Zielgruppen. Im Falle der Attack X3 liegt der Schwerpunkt auf die Verwendung hochwertiger Materialien und mechanischer MX-Brown-Schalter. Die 450K ist dagegen vielmehr ein Einsteigermodell für ambitionierte PC-Spieler mit einem Fokus auf die Beleuchtung.

Cougar Attack X3: Grundsolide Tastatur ohne besondere Akzente

Die Attack X3 ist eine in ihrer Ausstattung und dem Funktionsumfang reduzierte 700K, dem aktuellen Topmodell Cougars. Zwar muss auf Makro-Tasten und eine Handballenauflage verzichtet werden, mit einer Oberfläche aus gebürstetem Aluminium und freistehenden Tasten bleiben die auffälligsten Designelemente jedoch erhalten. Die verbauten MX-Brown-Schalter von Cherry wirken auf den ersten Blick als eine gute Wahl - sind sie doch die ideale Mischung zwischen Gaming- und Bürotastatur. Doch auch wenn dieser Schalter-Typ bei Spielertastaturen keine Seltenheit mehr darstellt, so ist die von Cougar anvisierte Zielgruppe eher dazu geneigt Tastaturen mit nicht-taktilen Schaltern wie den MX Red oder den MX Black zu bevorzugen. Während die 700K in verschiedener Bestückung auch mit deutschsprachigem Layout erhältlich ist, so sind weitere Ausführungen der Attack X3 derzeit nicht in Planung.

Ansonsten macht die Attack X3 eine durchaus gute Figur. Mit dedizierten Tasten zur Lautstärkeregulierung ausgestattet, verfügt dieses Modell über ein angenehm zu bedienendes Layout, bei der Zusatzfunktionen zum Wechsel der Polling Rate, der Beleuchtung und der Mediensteuerung über Sekundärbelegungen integriert wurden und Konfigurationen so zur Laufzeit anpassbar sind. Auch wenn das Gehäuse der Attack X3 ein wenig verwindungssteifer hätte ausfallen können, so geben weder die Verarbeitung noch die gewählten Materialen Anlass zur Kritik. Ein Anschlusskabel in ausreichender Länge rundet das Ergebnis positiv ab. Nach subjektivem Empfinden unterscheidet sich das allgemeine Tippgefühl nicht von anderen mit Cherrys MX-Brown-Schaltern bestückten Tastaturen. Durch die Bauform mit freistehenden Tasten verfügt die Attack X3 über kein umschließendes und damit geräuschdämmendes Gehäuse, wodurch das allgemeine Klangbild der Tastatur etwas lauter ausfällt.

Die Konfigurationssoftware ist optional, gehört nicht zum direkten Lieferumfang und muss nachträglich von der Herstellerseite heruntergeladen werden. Der Funktionsumfang fällt üppig aus und reicht von der Erstellung eigener Profile, über Funktions- und Makroprogrammierung bis hin zur Konfiguration der technischen Merkmalen (Polling Rate, Rollover). Die Bedienung ist bis auf wenige Ausnahmen selbsterklärend. Eine bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung wird von Cougar zur Verfügung gestellt.

Mit einem Straßenpreis von 100 € liegt die Attack X3 im mittleren Preissegment mechanischer Tastaturen. Leider verpasst es Cougar mit der Attack X3 sich weder über einen besonders attraktiven Preis noch über eine außergewöhnliche Funktionsvielfalt aus dem Dunstkreis anderer mechanischer Modelle abzusetzen. Auch wenn ein grundsolides Produkt abliefert wird, so ist die Tastatur nur eben eine von vielen. Eine Auszeichnung mit unserem Gold-Award hat sich die Attack X3 dennoch gänzlich verdient.

 

Cougar 450K: Gut gemeint ist halb gekonnt

Als Einsteiger-Tastatur beworben präsentiert sich die 450K zunächst in einem ordentlichen Gewand. Das Design betreffend ist die 450K sicherlich weit weniger Auffällig als die Attack X3. Bei gleicher Form und Verarbeitungsqualität ersetzt einfaches geriffeltes Plastik die ansprechend wirkende Aluminiumoberfläche. Auch wenn die 450K als hybrid-mechanisch beschrieben wird, ist und bleibt sie nur eine verbesserte Rubberdome-Tastatur. Das Tippgefühl soll das der Cherry MX Brown nachahmen, wenngleich die Betätigung der Schalter einen höheren Kraftaufwand erfordert, was schneller zu einer Ermüdung der Hände führt und daher als weniger angenehm empfunden werden kann. Mit einer optimierten Verdrahtung der Schalter in einem für PC-Spieler wichtigen Areal, soll die Tastatur vor einem Blocking und Ghosting bewahrt werden. Aufgrund frei definierbarer Profile, der Möglichkeit zur Makroprogrammierung und einer guten Konfigurationssoftware steht sie den teureren Tastaturen der Produktlinie in nichts nach. Die dreifarbige Hintergrundbeleuchtung ist zudem noch ein nettes Plus.

Doch leider offenbarte das Produkt in unserem Praxistest eklatante Schwächen. Statt des versprochenen 6-KRO bringt es die 450K nur auf ein 2-KRO mit all den unschönen Nebeneffekten wie einem Blocking und bietet diesbezüglich nicht mehr als jede einfache Rubberdome-Tastatur für weniger als 6 €. Eine Kaufempfehlung fällt an dieser Stelle deshalb schwer. Wer an dem Design, der Ausstattung und der Konfigurationssoftware der 450K Gefallen findet, kann die zu einem Straßenpreis von 45 € gehandelte Tastatur durchaus in die engere Auswahl ziehen. Wird Rubberdome als Schaltertechnik präferiert, kann auch auf ein günstigeres Modell wie die Logitech K110 zurückgegriffen werden, denn eine auf die hybrid-mechanischen Schalter zurückzuführende Verbesserung der Bedienung konnten wir in unserem Praxistest nicht feststellen. Erschwerend kommt für die 450K noch hinzu, dass dem Kunden für einen Aufpreis von 16 € bereits einfache mechanische Tastaturen mit MX Brown-Schaltern wie das MX Board 3.0 von Cherry zur Auswahl stehen.

 


Können wir etwas verbessern, oder wünscht ihr euch mehr Tests? Nutzt die Kommentarfunktion unterhalb dieser Seite, oder schreibt uns auf Facebook! Als Fan von Hardware-Factory erfahrt ihr es sofort, wenn es etwas Neues bei uns gibt. Alternativ könnt ihr uns auch auf Twitter folgen. Dranbleiben lohnt sich!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok