anidees AI-Crystal

Erstellt am: 16.05.2017 um 20:00 Uhr von Thomas Radigk.

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Kurz nach dem Einzug des Computers in die Wohnzimmer kam auch der Trend des Moddings auf, wo den sonst so kargen und unattraktiven weißen Gehäusen auf den Leib gerückt und eine persönliche Note verpasst wurde. Da der Austausch von Lüftern, Kabeln und der Einbau teurer Hardware von außen verborgen blieb, bauten die Eigentümer ein Seitenfenster in die Gehäuse ein, sodass auf einer LAN-Party jeder andere Teilnehmer das Innenleben des Geräts bewundern konnte. Die Hersteller von Gehäusen sprangen auf diesen Trend auf, indem sie begannen separat bestellbare Seitenwände mit Sichtfenster anzubieten, oder ein neues Gehäuse in ihren Produktkatalog aufnahmen, in welchem das Sichtfenster bereits eingearbeitet war. Aufgrund der Industrialisierung war das Ergebnis des Öfteren eleganter als die Lösung aus dem Bastelkeller.

Ende 2016 bringt anidees mit dem AI-Crystal ein Gehäuse auf den Markt, welches mit Seitenwänden ganz aus Glas unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Im Gegensatz zu unseren Projekten Plexiglas Mini ITX Gehäuse "Shine" und Worklog: Project Xperience handelt es sich um ein Standard Formfaktor ATX-Gehäuse in der Größenordnung klassischer Midi-Tower aus schwarzem Plastik und Stahl. Um Vibrationen oder einem vorzeitigen Bruch des empfindlichen Materials vorzubeugen sind alle Scheiben beachtliche fünf Millimeter dick und tragen damit auch maßgeblich zum Gewicht von etwa 11 kg bei. Dafür erhält der geneigte Kunde des fast 150 Euro teuren Gehäuses viel Platz für Wasserkühlung in Form von bis zu zwei Radiatoren mit 360 mm Länge sowie einem weiteren mit 140 mm Breite am Heck. Möglich wird dies durch den Verzicht auf extern zugängliche Laufwerke, da der Hersteller keinen einzigen Platz für 5,25" Laufwerke vorgesehen hat. SSDs und 3,5 Zoll Laufwerke finden jedoch teilweise durch das Glas gut sichtbar in mindestens dreifacher Anzahl Platz im AI-Crystal.

Welche Vorzüge das Gehäuse bei Einsatz einer Luftkühlung bietet und ob sich vielleicht auch Schwachpunkte aufdecken lassen, haben wir für euch in diesem Artikel untersucht.

 


Spezifikationen und Lieferumfang

Spezifikationen anidees AI-Crystal
Maße (B x H x T)  216 x 497 x 475 mm
Gewicht ca. 10,9 KG 
Material Stahl, Kunststoff, Glas
Formfaktor E-ATX (EEB), ATX, Micro-ATX, Mini-ITX
Einbauschächte intern

3x 3,5"

3x 2,5"

Einbauschächte extern 0
Anschlüsse Front

2x USB3.0,

2x USB2.0,

2x HD Audio (Mikrofon und Kopfhörer)

Lüfter maximal

3x 140 / 3x 120 mm (Front)

2x 140 / 3x 120 mm (Deckel)

1x 140 / 1x 120 mm (Rückseite)

Lüfter vorinstalliert

3x 140 mm (Front)

1x 140 mm (Rückseite)

Staubfilter  Front und Deckel
PCI-Steckplätze  7
Länge Grafikkarte  bis zu 410 mm
Besonderheiten 5 mm dickes, getöntes Glas als Seitenteile und Glasfront, Lüftersteuerung (aus - 5 V - 12 V)
Preis ca. 150 Euro

 

anidees liefert das AI-Crystal Midi-Tower Gehäuse in einer sehr unscheinbaren Verpackung, die weder ein Symbolbild noch technische Details abbildet. Das Gehäuse befindet sich innenliegend gestützt durch dicken Schaumstoff an den Seiten. Wird es von dem Transportmaterial befreit präsentiert sich das Gehäuse schlicht und dennoch ungewöhnlich, aufgrund der großzügigen Verwendung von Glas. Das Zubehör legt der Hersteller in einen der 3,5" Schächte in Form einer kleinen braunen Packung, in der sich unter anderem die bebilderte Anleitung, ausgeführt als gefaltetes doppelseitig bedrucktes DIN-A4-Blatt, befindet. Diese kann als nahezu nutzlos angesehen werden, da zwar symbolisch der Einbau von Hardware gezeigt wird, technische Daten zum Gehäuse oder andere Hinweise, wie die maximale Länge von Grafikkarten oder Höhe von CPU-Kühlern, nicht vorhanden sind. Immerhin sind die Möglichkeiten der Kühlung halbwegs verständlich dargestellt, wenn auch die Maßangaben zu den einsetzbaren Radiatoren fehlen.

Beim Blick auf das Zubehör kommt einem vielleicht zuerst das Wort "sparsam" in den Sinn, denn obwohl einige Kabelstränge bereits im Auslieferungszustand mit Klettbändern befestigt sind und weitere solcher Stützpunkte im Gehäuse vorhanden sind, liegen dem Lieferumfang nur zehn simple schwarze Kabelbinder bei. Weitere Abstandshalter für Mainboards größer als ATX werden mitgeliefert, jedoch kein Hilfsmittel zum Einschrauben. Laufwerksschrauben finden wir relativ zu den Möglichkeiten des Gehäuses in angemessener Anzahl vor. Die Anzahl der vorinstallierten Lüfter ist jedoch bemerkenswert, da insgesamt vier Lüfter mit 140 mm Rahmenbreite und weißer LED-Beleuchtung bereits vormontiert sind. Drei davon in der Front, so dass sich diese beim Einschalten eindrucksvoll in Szene setzen, sowie einem Exemplar hinten, welches vor allem durch die Seitenwand gut sichtbar ist. Im folgenden Abschnitt entfernen wir die Schutzfolien und nehmen das Design von außen unter die Lupe. 

 


Äußeres Erscheinungsbild

 

Ohne Licht erscheint das Gehäuse mit dem verdunkelten Glas sehr schlicht, wenn auch die Oberflächen glatter sind, als bei einfachem Plastik oder lackiertem Metall. Aus größerer Distanz lässt das Glas an der Vorderseite kaum erahnen, was sich dahinter verbirgt. Das gilt in gewissen Winkeln auch für die Seitenwände - damit hat anidees das Gehäuse auf schlichte Art und Weise gut in Szene gesetzt. Von vorne betrachtet fällt dann auch auf, dass kein extern zugängliches 5 1/4 Zoll Laufwerk eingebaut werden kann, dafür aber insgesamt vier USB-Schnittstellen zur Verfügung stehen.

Neben den genannten USB-Anschlüssen, wovon zwei durch ihre blaue Markierung auf den schnelleren USB 3.0 Standard hinweisen, sind Power- und Resettaster untergebracht, die durch einen dünnen Rahmen eingefasst sind, welche von weißen LEDs beleuchtet werden. Der größere von beiden Tastern zeigt mit seiner Beleuchtung den Betrieb an, während die LED des Resettasters die Funktion der HDD-Kontrollleuchte übernimmt. An der linken Seite der nach oben ausgerichteten Anschlussleiste sind zwei Klinkenbuchsen für Stereo Headsets untergebracht, die wie üblich den Kopfhörer und Mikrofonanschluss bereitstellen. Leider fehlt hier eine farbliche Markierung und nur Piktogramme weisen auf den Verwendungszweck hin. Zuletzt finden wir noch einen Schiebeschalter vor, der für die eingebaute Lüftersteuerung drei Stufen vorweisen kann: "S" wie SILENT, also sehr leise (die Lüfter werden abgeschaltet), "L" wie LOW und "H" wie HIGH. Bei LOW werden die Lüfter mit 5 V betrieben, während bei HIGH 12 V anliegen und die Lüfter mit maximaler Drehzahl ihren Dienst verrichten.

Hinter der Front, unter dem Oberteil und an der Rückwand können Wasserkühlungsradiatoren angebracht werden, wenn jedoch die theoretische Maximalbestückung etwas eingeschränkt ist. Denn dort wo zwar 140 mm Lüfter Platz finden, kann es aufgrund der Platzverhältnisse dazu kommen, dass nur Radiatoren mit etwa 120 mm Breite eingesetzt werden können, ohne miteinander zu kollidieren. anidees bringt an beiden Plätzen, die traditionell auch einfach nur mit Lüftern bestückt werden können, magnetisch haftende Staubschutzfilter an, die zur Reinigung sehr leicht entfernt werden können. Damit diese nicht vom Gehäuse abstehen, hat der Hersteller sie in das Gehäuse etwas eingelassen.

Nahezu standardmäßig erscheinen Rück- und Unterseite des Gehäuses. Bemängeln müssen wir hier wieder die Fixierung der PCI-Steckplätze, die zum einen dafür sorgt, dass an der Rückseite ein dünner Steg absteht und zum anderen das Einsetzen von Steckkarten erschwert. Bemerkenswert ist der Platz für den rückwärtigen Lüfter, der hier die Verwendung eines 120 oder 140 mm breiten Modells erlaubt. Den Staubfilter an der Unterseite des Gehäuses kennen wir bereits von anderen Produkten. Allerdings müssen wir bei den Standfüßen die Stirn runzeln, denn diese bestehen zum größten Teil aus einem hohlen Plastikklotz mit einen dünnen angeklebten Gummistreifen - eine bei dem Preis unverständlich kostengünstige Lösung. Die vier Gummidurchführungen dienen der Verschraubung einer 3 1/2 Zoll Festplatte am Gehäuseboden.


Innerer Aufbau

Der innere Aufbau des anidees Crystal bietet einige Besonderheiten. Zunächst ist der sonst sehr bekannte Käfig für (optische) Laufwerke verschwunden und ein großer schwarzer Kasten nimmt über fast die gesamte Länge den Gehäuseboden ein. Auf ihm hat der Hersteller den einzigen Hinweis auf die Marke platziert, welcher zudem sehr dezent anmutet. Darin werden sowohl Netzteil, als auch Laufwerke untergebracht, was wir auf den folgenden Bildern noch genauer betrachten werden. Links von den vorderen drei mitgelieferten, transparenten und bei Betrieb weiß beleuchteten Lüftern sehen wir außerdem eine Abdeckung, die gleichzeitig als Stabilisierungshilfe für lange PCI-Karten fungieren soll. Darunter können durch zwei Öffnungen Kabel an Hauptplatine, Grafikkarte und Co. herangeführt werden ohne, dass das Bild im Gehäuse durch die vielen Versorgungsleitungen zu sehr nach "Kabelsalat" aussieht. Denn trotz des schon relativ hohen Preises finden wir außer der besagten Stelle nur in der Netzteilabdeckung mit Herstellerlogo eine Abdeckung für Kabeldurchführungen vor. Dafür gibt es reichlich Stützstellen für Kabelbinder und es sind bereits neun messingfarbene Abstandshalter montiert.

Die fast schon obligatorischen Rundlöcher über dem hinteren Lüfter für externe Wasserkühlungskomponenten erscheinen uns weniger erwähnenswert, als die Fixierung für PCI-Erweiterungskarten, wo anidees hier eine Lösung verwendet, die wir bereits beim Bitfenix Prodigy nicht gutheißen konnten. Ohne die mit einer Rändelschraube befestigte und verschiebbare Blende komplett zu entfernen muss die Slotblende der Erweiterungskarte durch eine relativ schmale Öffnung eingefädelt werden, was gerade bei längeren Karten zu einer Geduldsprobe werden kann. Der Vorteil, dass die Karte dann unter Umständen nicht verschraubt werden muss und die Verschraubung nur an der Rückseite des Gehäuses sichtbar ist, überwiegt unserer Meinung nach die Nachteile der schwierigen Montage, sowie dem Überstehen des Stegs mit den Gewinden hinten am Gehäuse nicht.

Ein wichtiges Merkmal neben der großzügigen Verwendung von Echtglas stellt die hohe Kapazität für Wasserkühlungsradiatoren dar, wovon sich ein Exemplar mit bis zu 120 mm breiten Lüftern bestückt (Herstellerangabe) hinter der Front platzieren lässt und Platz für drei Ventilatoren bietet, sowie einen ebenfalls für drei Ventilatoren passenden Platz unter der Oberseite des Gehäuses. Mangels passender Hardware können wir euch die Montage nicht demonstrieren. An beiden Orten ist die Einbaudicke limitiert; falls kein passiver Betrieb erwünscht wird, ist die Auswahl auf Radiatoren mit 35 mm maximaler Dicke limitiert. Daher empfiehlt der Hersteller die Verwendung von 360er (3x120 mm) Wärmetauschern, die eine maximale Dicke von 35 mm besitzen, so dass bei montierten Lüftern (25 mm Rahmenbreite) die maximale Einbautiefe von 60 mm nicht überschritten wird.

Zur Vereinfachung der Montage von CPU-Kühlern bietet auch anidees an der Rückseite der Hauptplatine eine große Aussparung und bindet bereits im Auslieferungszustand sämtliche Kabel ordentlich an der Rückwand zusammen. Auch nur dort bietet das Gehäuse 25 mm Platz für das Verlegen von Kabeln, denn direkt hinter dem Platz für die Hauptplatine, dort wo die 2,5 Zoll Laufwerke ebenfalls untergebracht sind, können Kabelstränge maximal eine Dicke von 11 mm aufweisen, ohne die Montage der Seitenwand zu erschweren. Für die Verkabelung von Laufwerken ist der Platz sehr knapp bemessen.


Testsystem, Montage und Inbetriebnahme

 

Ohne Platz für optische Laufwerke entfällt der sonst von uns gern zuerst ausgeführte Schritt, sodass wir diesmal beim Einbau des 2 1/2 Zoll Laufwerkes beginnen. Dafür sind drei Plätze hinter der Hauptplatine vorgesehen und das Laufwerk wird auf einem separat entfernbaren Träger montiert. Das funktioniert recht einfach und unkompliziert. Allerdings ist uns bei dem 2 1/2 Zoll Laufwerk (hier eine WD Red Festplatte) aufgefallen, dass wohl die Gewinde für die Verschraubung an der Unterseite zu kurz sind, so dass der Speicherträger klapperte. Hier haben wir uns dann dafür entschieden das Laufwerk an den Seiten zu verschrauben und sind ganz froh darüber, dass anidees hier beide Möglichkeiten anbietet. Wie der entstehende Geräuschpegel einzuschätzen ist, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

Anschließend erfolgt die Montage des 3 1/2 Zoll Laufwerks, das wir auf einem passenden Träger montieren. Im Gegensatz zu den Haltern für die 2 1/2 Zoll Laufwerke kann dieser mit Schwingungsdämpfern aus Gummi aufwarten, was gerade bei den Laufwerken dieser Größe wichtiger ist als bei den kleineren. Allerdings können die großen Speicherträger nur von unten verschraubt werden, da der Träger etwas breiter als das Laufwerk ist - nur so kann sichergestellt sein, dass keine Vibrationen über Stahl an einen Resonanzkörper übertragen werden. Jeder Träger wird zwar über eine Schraube fixiert, aber nur bei den kleineren Laufwerken hat anidees eine auch ohne Schraubenzieher handhabbare Rändelschraube spendiert.

Die folgende Montage des Netzteils erfolgt ebenso einfach - wenn die Kabelstränge bei einem modularen Netzteil wie in unserem Fall schon montiert sind. Denn nach dem Einbauen ist die Zugänglichkeit der Anschlüsse sehr stark eingeschränkt. Dies wird umso schlimmer, je länger das Netzteil ist. Unser hier eingesetztes Sea Sonic X-Series X-650 650W kommt mit einer Länge von 160 mm aus und lässt noch reichlich Luft für weitere Kabelstränge, die nicht sofort gebraucht werden. Der Platz ist nach unserer Meinung für die allermeisten Netzteile ausreichend bemessen.

Als letzten Schritt pflanzen wir die Hauptplatine ein, die bereits mit CPU, RAM und Kühler ausgerüstet ist. Da um das ATX-Mainboard viel Platz frei ist, gelingt auch diese Aufgabe angenehm einfach, sodass wir die Grafikkarte als letztes einsetzen und alle Komponenten mit Strom versorgen. Die eingangs angesprochene Lösung zur Fixierung der Steckkarten fällt hier natürlich negativ auf, da die ohnehin durch den Kühler schon riesige Grafikkarte nicht nur zielsicher in den Erweiterungssteckplatz gesteckt, sondern obendrein auch noch durch das Loch bei der Verschraubung eingefädelt werden muss. Für häufige Wechsel ist diese Lösung nicht geeignet. Ebenso eher suboptimal erscheint der Platz zwischen der SSD und der Gehäusewand. Der Stecker vom Netzteilkabel besitzt ein Winkel und noch gerade so an das Laufwerk angeschlossen werden. Der Platz zur Gehäusewand von elf Millimetern ist damit komplett ausgeschöpft. Der Stabilisator rechts von der Hauptplatine kommt hier nicht zum Einsatz, da das Grafikkarten PCB nicht weit genug reicht. 

 

Nach der Verkabelung folgt das Einschalten und es erleuchtet der Einschaltknopf mit einem weißen Rand - ebenso wie der Resetknopf, der hier die HDD-Aktivität anzeigt. Der Innenraum des Gehäuses wird von den installierten Lüftern erleuchtet - wenn diese nicht gerade per Lüftersteuerung auf "S" geschaltet sind, denn mit dieser Stellung bleiben diese aus. Im folgenden Kapitel wollen wir dann auf die Temperaturmessungen kommen und die Geräuschkulisse begutachten - die Anzahl der Lüfter lässt auf einen hohen Geräuschpegel erahnen.


Testbetrieb und Messungen

Testsystem 
Gehäuse anidées Crystal
Mainboard ASROCK Z87 Extreme 4
CPU Intel Core i5 4670K, Quadcore
Ram 2x8 GB G.Skill Trident Z DDR3-2400
Grafikkarte AMD Radeon R290X 4096 MB
Netzteil Sea Sonic X-Series X-650 650W
Betriebssystem Windows 10 Pro 64bit
Festplatte Samsung SSD 850 EVO 500 GB

Zunächst wurden die mitgelieferten Gehäuselüfter auf ihre Tauglichkeit geprüft. Dazu wird das bereits aus unseren Lüftertests bekannte Verfahren durchgeführt, welches die nachfolgenden Einzeltests beinhaltet:

Anlaufspannung
Häufig wird dieser Punkt mit einem Herunterregeln der Spannung verwechselt. Für Lüfter, die sich im Betrieb problemlos herunterregeln lassen, ist noch lang nicht bewiesen, dass sie auch bei dieser Spannung aus absolutem Stillstand wieder anlaufen. Gemessen wird hier die minimale Anlaufspannung bei horizontaler sowie vertikaler Lage. Für einen gültigen Messwert darf der Lüfter nicht mehr als zwei Startversuche unternehmen. Schafft es ein Produkt nach den genannten zwei Versuchen nicht, komplett anzulaufen, wird die Spannung schrittweise um einen Wert von 0,01 V erhöht. Ermittelt werden die Messwerte über ein Schaltnetzteil der Firma Voltcraft, verifiziert mit einem Voltmeter der Firma PeakTech.

Leistung
Gemeint ist hier die Leistung unter 12 V, 9 V, 7 V und 5 V sowie die dabei erreichten Drehzahlen. Wichtig ist zudem die Einhaltung der herstellerseitigen Angaben inklusive der Toleranzen. Ermittelt werden diese Werte über das Programm HWInfo64 in der Version 4.51.

Lautstärke
Sie ist eine der Hauptfaktoren jedes Lüfters. Getestet werden hier die Lautstärken beim Betrieb mit 12 V, 7 V und 5 V. Störende Schleifgeräusche sowie ein Nichtanlaufen finden ebenfalls Erwähnung (Geräuschcharakteristik). Zu beachten ist allerdings, dass Lautstärkemessungen prinzipiell auf subjektiver Basis stattfinden und auch dementsprechend als solche bewertet werden.

Alle eingesetzten Lüfter greifen auf ein einziges Modell zurück, das anidees AV14025 getauft hat. Bis auf die LED-Farbe und die Rahmenlänge von 140 mm lässt sich darauf schließen, dass diese Ausgabe eng verwandt mit dem AV12025 des AI-07B sein könnte. Die Stromaufnahme von gerade mal 180 mA macht bei zwölf Volt Betriebsspannung eine Leistungsaufnahme von 2,16 W pro Lüfter und unter 9 Watt insgesamt für alle Lüfter des Gehäuses. 

  anidées AV14025
Anlaufspannung 3,2 V
minimale Betriebsspannung 3,2 V

Wenig überraschend erscheinen die Anlaufspannung und minimale Betriebsspannung die nur leicht von den Werten des AV12025 abweichen. Die Lüfter, die mit einer maximalen Drehzahl von ca. 1240 U/min daher kommen lassen einen relativ großen Regelbereich zu, so dass bei der Anlaufspannung einen mit etwa 560 U/min drehenden Propeller erhält, der an der Grenze der Wahrnehmbarkeit leise ist. Lediglich in kurzer Distanz lässt sich ein Motorgeräusch ausmachen, dass bei höheren Drehzahlen leicht vom Luftrauschen übertönt wird. 

Produkt Spannung Umdrehungen Subjektiver Eindruck Lager-/Laufgeräusche, Bemerkung
anidées AV14025 12 V 1039 U/min  deutlich hörbar starkes Luftrauschen
anidées AV14025 9 V 959 U/min  deutlich hörbar Luftrauschen 
anidées AV14025 7 V 990 U/min  hörbar Luftrauschen
anidées AV14025 5 V 690 U/min  leise Luftrauschen, leises Motorgeräusch 

Im zweiten Testabschnitt untersuchen wir die Leistung des eingebauten Kühlsystems, welches aufgrund der vier Lüfter im vorderen Teil des Gehäuses großes Potenzial besitzt. Als Testszenario für den Last-Betrieb setzen wir erneut auf den 3D Mark Firestrike Extreme, der im Fenster den kombinierten Test ausführt und so gleichmäßig für eine spieleähnliche Last auf CPU und GPU sorgt. Zusätzlich fordert AIDA64 mit zufälligen Zugriffen auf der HDD dort für eine gewisse Erwärmung.

Die folgenden Diagramme zeigen die Ergebnisse unseres Tests mit dem verwendeten Testsystem, worin außer den Gehäuselüftern alle weitern Ventilatoren mit maximaler Drehzahl betrieben werden. Der Hauptprozessor wurde zudem auf 4,5 GHz übertaktet. Da bei bisher keinem Gehäuse ernstzunehmende Schwierigkeiten im IDLE-Betrieb aufgetreten sind, verzichten wir diesmal darauf und betrachten ausschließlich den Last-Betrieb, bei dem die Kühlung auch gefordert ist. Da anidees das AI-Crystal mit einer Lüftersteuerung ausliefert testen wir die zwei praktikabelsten Einstellungen "L" und "H", gleichbedeutend mit einer Betriebsspannung von fünf und zwölf Volt der Ventilatoren.

Es ist unschwer zu erkennen, welche Komponente von den höheren Drehzahlen der Gehäuselüfter profitiert. Elf Kelvin Unterschied lassen sich herausholen, wenn der Schalter der verbauten Lüftersteuerung von "L" auf "H" gestellt wird. Nicht nur die Beleuchtung der Lüfter wird dadurch heller, sondern auch die Lautstärke stark erhöht. Am wenigsten reagiert die Hauptplatine auf den starken Luftstrom, während HDD und SSD fünf bis sieben Kelvin kühler ihren Dienst verrichten können. Keine der Komponenten erreicht im AI-Crystal dabei bedenkenswerte Temperaturen, so dass auch einem Betrieb bei verringerter Lautstärke nichts im Wege steht. Bei dem Einsatz einer Wasserkühlung sollte jedoch darauf geachtet werden, dass ein Luftstrom im Gehäuse erhalten bleibt, da sich die nicht im Kühlkreislauf befindlichen Komponenten nicht zu stark erhitzen.

Der Geräuschpegel bei der Stellung "L" ist erträglich und kann noch als leise bezeichnet werden - wenn die anderen Lüfter nicht wie hier auf maximaler Drehzahl betrieben werden. "S" ist hingegen nicht empfehlenswert, da die Gehäusebelüftung damit gänzlich ausgeschaltet ist. Im Spielebetrieb erhitzen sich die Komponenten bis zur Abschaltung des Computers, trotz der Tatsache, dass die aufsteigende Hitze durch den oberen Luftfilter entweichen kann. Die verbauten Festplatten sind in keinem Szenario hörbar in Erscheinung getreten, selbst die kleine nicht entkoppelte HDD ist nur dann hörbar gewesen, wenn man das Ohr schon fast an die Glasscheibe der Seitenwand legte.


Fazit

Der niederländische Gehäusedesigner anidees lässt es beim AI-Crystal durch den massiven Einsatz von Glas ordentlich krachen. Das bringt frischen Wind in den Gehäusemarkt und es sind bereits auch andere Gehäusehersteller auf diesen Zug aufgesprungen. Die Tönung des Glases führt dazu, dass ohne helles Licht das Gehäuse grundsätzlich schwarz erscheint und durch das Einschalten der verbauten Lüfter erst "Leben" in den Computer einkehrt. Dabei gibt anidees dem Kunden auch die Möglichkeit der Einflussnahme auf den Geräuschpegel in Form einer dreistufigen Lüftersteuerung mit, was ein gern gesehenes Feature darstellt, da die mitgelieferten Lüfter durch ihre Anzahl und relativ hohe Maximaldrehzahl einen Geräuschpegel erreichen, der auf Dauer als störend wahrgenommen werden könnte. Dies hat der Hersteller bereits erkannt und bietet nun das Crystal auch als "Lite"-Version ohne verbaute Lüfter an. Der reguläre Kaufpreis von 150 Euro für das Gehäuse mit Lüftern sinkt dadurch um 20 Euro, die dann in die Ventilatoren investiert werden können, die dem Geschmack des Kunden entsprechen. Außerdem entfällt so der Ausbau der mitgelieferten Lüfter.

Denn trotz der vielen positiven Aspekte und wirklich gut durchdachten Unterbringungsmöglichkeiten für HDDs und SSDs kommen wir um Kritik am AI-Crystal nicht herum. Einerseits ist das Gehäuse grundsätzlich gut verarbeitet, jedoch missfällt die herausstehende Verschraubung der Erweiterungskarten. Das anidees Crystal hat das Potenzial zu einem leisen Gehäuse durch die vielfältigen Möglichkeiten zur Unterbringung einer Wasserkühlung - kann uns aber auch mit einer Luftkühlung bereits einen guten Eindruck hinterlassen. Da das Gehäuse nicht gänzlich ohne Tadel aus unserem Test hervorgeht schrammt es nur knapp an unserer Gold-Bewertung vorbei, hat sich aber unseren Hardware-Factory Silber-Award zurecht verdient.

 

 
 
Wir bedanken uns bei Caseking.de für die Bereitstellung des Testexemplars. 
 
Anmerkung: Aufgrund einiger Mängel am ersten Testmuster, das aus der allerersten Auslieferung stammte, hat uns anidees mit einem weiteren Testexemplar beliefert, welches ohne Schutzfolien auf dem Glas und mit einer leicht veränderten Verschraubung der Seitenteile ausgeliefert wird. Die abgebildeten Fotos entsprechen dem ersten Stand der Hardware.

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